23/06/2026
RITTER DRESSAGE .. VORAUSSETZUNGEN UND VORBEREITUNG FÜR DEN GALOPP
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Die wichtigste Voraussetzung für einen guten Galopp, besteht darin, dass das Pferd sich mit dem äußeren Hinterbein in den Galopp heben kann. Das bedeutet, dass beide Hinterbeine in der Lage sein müssen, weit genug unter den Körper zu treten und sich in ihren oberen Gelenken zu beugen, sodass jedes Hinterbein Pferd und Reiterin hochheben kann.
Dies erfordert wiederum einen gewissen Grad an Geraderichtung und Geschmeidigkeit, sowie einige Kraft in der Hinterhand und der Rumpfmuskulatur. Deshalb müssen Pferde, die nicht mit einem tollen Galopp geboren wurden, oft mehr Zeit und mehr Arbeit investieren, um die nötigen Fertigkeiten und die Kraft zu entwickeln, die für einen gut ausbalancierten Galopp gebraucht werden.
Die Geraderichtung ist notwendig, damit das Pferd auf beiden Händen galoppieren kann. Schiefe Pferde galoppieren oft nur auf dem Fuß der hohlen/konkaven Seite, aber nicht auf dem Fuß der steifen/konkaven Seite.
Der Grund hierfür liegt darin, dass die Beine der steiferen Seite einen größeren Gewichtsanteil tragen müssen. Dadurch sind die Beine der hohlen/konkaven Seite weniger belastet und damit leichter beweglich. Sie neigen dazu, früher abzufußen und weiter vorzugreifen als die Beine der steifen Seite, was dazu führt, dass das Pferd eher auf der hohlen als auf der steifen Seite galoppiert.
Um auf beiden Händen galoppieren zu können, muss das Pferd also lernen, sein Körpergewicht sowohl mit dem linken als auch mit dem rechten Beinpaar zu stützen.
Die Geschmeidigkeit ist notwendig, da das äußere Hinterbein sich unter der Körpermasse beugen muss, um Pferd und Reiter hochheben zu können. Ist das äußere Hinterbein zu weit hinter dem Schwerpunkt, wird es seine Gelenke nicht beugen und es kann die Last nicht hochheben. Stattdessen wird es die Körpermasse in flachen, schnellen Tritten nach vorne werfen. Tritt das äußere Hinterbein unter die Last, aber ohne sich dabei zu beugen, kann dies zu Bocksprüngen oder Davonlaufen führen, da das Pferd nicht wirklich weiss, wie es mit dem Gewicht auf seinen Hinterbeinen umgehen soll.
Kraft in der Hinterhand und der Bauchmuskulatur ist notwendig, weil das Angaloppieren vergleichbar ist mit Gewichtheben, wo der Athlet unter der Stange mit den Gewichten in die Knie geht und dann mit dem Gewicht aufsteht.
Die Arbeit, die dem Pferd das notwendige Körpergefühl, die Koordination, die Geraderichtung, die Geschmeidigkeit und die Kraft für den Galopp gibt, wird hauptsächlich im Schritt und Trab geleistet. Die alten Meister sagten, dass insbesondere die Trabarbeit den Galopp ausbildet, und es war früher üblich, die Pferde in den Seitengängen im Trab auszubilden, bevor man mit ernsthafter Galopparbeit anfing.
De la Guérinière erwähnt sogar, dass zu seiner Zeit die Pferde bis zur Piaffe und Passage ausgebildet wurden, bevor man den Galopp trainierte.
Hier sind einige konkrete Eigenschaften, die man bei der Vorbereitung zum Galopp anstreben sollte:
Ein gut ausbalancierter Schritt und Trab
Über den Rücken
Durchs Genick
Relativ geradegerichtet
Halbe Paraden gehen durch
Schultern lassen sich wenden
Hinterbeine können übertreben
Man entwickelt diese Eigenschaften durch die Arbeit, die wir als “Biegen in der Bewegung” bezeichnen, die in drei Phasen eingeteilt werden kann:
Phase 1: Biegen und wenden (Zirkel, Schlangenlinien, Volten, Achten, Hinterhandwendung)
Phase 2: Übertreten mit Stellung/Biegung gegen die Bewegungsrichtung (Zirkel Vergrößern, Vorhandwendung in der Bewegung, Viereck verkleinern/vergrößern, Schulterherein, Konterschulterherein)
Phase 3: Übertreten mit Stellung/Biegung in die Bewegungsrichtung (Kruppeherein, Renvers, Traversale, Passade/Pirouette)
Pferde mit einem sehr guten natürlichen Galopp brauchen vielleicht nur im Biegen und Wenden gearbeitet werden, um gut galoppieren zu können.
Viele, oder sogar die meisten Pferde, sollten auch Übungen reiten, die Übertreten mit Biegung gegen die Bewegungsrichtung beinhalten, bevor sie gut genug ausbalanciert sind, um gut galoppieren zu können. In manchen Fällen muss man vielleicht sogar Kruppeherein, Traversalen und eventuell sogar die Piaffe mit dazu nehmen, bevor sie die nötige Balance und Koordination für einen guten Galopp haben.
Biegen und Wenden erzeugt die Geschmeidigkeit in den Pferdeschultern und der Wirbelsäule, die für einen gut ausbalancierten Bergaufgalopp notwendig sind.
Übertreten mit Stellung/Biegung gegen die Bewegungsrichtung gibt dem Pferd die notwendige seitliche Geschmeidigkeit der Hinterbeine und bringt das übertretende Hinterbein näher zum Schwerpunkt, sodass man seine Gelenke mit Hilfe des Körpergewichts beugen kann.
Halbe Paraden und Übergänge zwischen Schritt und Halten, Trab und Schritt, sowie Trab und Halten entwickeln die vertikale Geschmeidigkeit der Hinterhand, die das Pferd braucht, um eine “Kniebeuge” auszuführen und die Last mit seinen Hinterbeinen hochzuheben. Sie entwickeln außerdem die Rumpfmuskulatur.
Falls Ihr Pferd schon Rückwärtsrichten, Kruppeherein, Renvers oder Traversalen gelernt hat, kann man diese ebenfalls verwenden, um die Hankenbeugung, sowie die Kraft der Hinterhand und der Rumpfmuskulatur zu verbessern.