21/05/2022
Alte Pferde
Mich erreichen immer öfter Anfragen für eine Zahnbehandlung für Pferde mit einem Alter von über 25 Jahren. Oftmals kommen beim Fressen von Heu plötzlich Wickelchen aus dem Maul gefallen. Die Sorge der Besitzer ist dann verständlicherweise groß. Im Vorgespräch berichten die Besitzer dann teilweise, dass ja immer mal nach den Zähnen geschaut wurde. Da es ja aber so ein altes Pferd ist, wäre oft nur geschaut aber seitens des Dentisten oder Tierarztes teilweise nicht behandelt worden. Leider ist immer noch die Meinung verbreitet, dass man bei „alten“ Pferden an den Zähnen nichts oder nur sehr wenig korrigieren braucht. Nach meiner Erfahrung ist dies aber der falsche Weg. Natürlich sind die Zähne ebenso alt wie das Pferd. Im Laufe des Lebens haben sich die Zähne deutlich mehr abgenutzt, als Material nachgewachsen ist. Oft ist nicht mehr viel Zahnsubstanz vorhanden. Viel Möglichkeit für eine grundlegende Korrektur hat man dann nicht mehr. Dennoch bilden sich scharfe Kanten, die die Zunge oder Wangen verletzten können. Das Zahnfleisch ist im Alter nicht mehr so fest und es kann sich Parodentose bilden. Dies kann dazu führen, dass sich Zähne lockern oder gar abbrechen. Wurde länger nichts korrigiert, kann ein falsches und meist einseitiges Kauverhalten diesen Prozess beschleunigen. Die Zähne werden dann regelrecht aus dem Zahnfach geschoben. Solch ein verkippter Zahn entzündet sich leicht und bereitet erhebliche Schmerzen.
So lange ein Pferd geritten wird, fällt es schneller auf wenn mit den Zähnen etwas nicht stimmt. Geht ein Pferd in Rente, fallen Kauprobleme oft erst durch Wickeldrehen oder Gewichtsverlust auf. Alte Pferde sind ohnehin oft schwerfuttrig. Einen Gewichtsverlust bekommt man oft leider nur schwer wieder ausgeglichen. Heucops als Raufutterersatz ist oft eine Lösung, wenn auch eine recht kostenintensive. Gesunde Zähne sind für ein altes Pferd überlebenswichtig.
Wie eben schon erwähnt sind die Zähne von Pferdesenioren altersbedingt nicht mehr für große allumfassende Korrekturen geeignet. Was einmal abgeraspelt ist, wächst so schnell nicht mehr nach. Fehler bei der Behandlung werden kaum verziehen. Daher ist eine regelmäßige - mindestens aber einmal im Jahr - stattfindende Kontrolle wichtig. Lieber immer nur ein bisschen korrigieren und scharfe Kanten vorsichtig glätten. Dafür aber besser öfter, als bei einem jüngeren Pferd. Besonders wichtig ist es, die Zähne auf ihre Festigkeit im Zahnfleisch zu überprüfen. Oft hilft es, leichte Wackelkandidaten etwas aus der Okklusion (Reibung) zu nehmen um sie länger erhalten zu können. Ist ein Zahn erst einmal so locker, dass er entnommen werden muss, bleibt nun einmal eine Lücke in der Zahnreihe. Durch den fehlenden Halt schieben sich die Zähne neben der Lücke schnell locker. Es entsteht also eine Art Dominoeffekt. Daher sollte jeder Zahn so lange wie möglich erhalten bleiben. Je weniger Zähne ein Pferd hat, desto schlechter kann es fressen! Wobei wir dann wieder beim möglichen Gewichtsverlust wären.
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Tetanusimpfung. Diese muss bei jeder Zahnbehandlung vorliegen! Auch wenn man noch so vorsichtig und besonnen arbeitet, kann es zu kleinen Verletzungen im Maul kommen. Spätestens wenn ein Zahn gezogen werden muss, ist ein Tetanusschutz lebenswichtig.