24/12/2025
Eine Weihnachtsgeschichte,
stark gekürzt
In uralter Zeit, als noch Schnee im kalten und langen Winter klitzernd die Landschaft bedeckte, lebten Menschen gemeinsam in Gruppen um ihre Lagerfeuer. Hunde hatten sie noch nicht, aber es war Ihnen gelungen, einige Rentiere zu besitzen, die auch unter dem harschen Winterweiß Nahrung fanden.
Alles wäre schön gewesen, wenn nicht gelegentlich Raubtiere diese Herden überfallen hätten. Sie töteten und fraßen ein Tier, doch die anderen, noch halb wild, flohen und zerstreuten sich panisch in der Gegend. Nun mussten die Menschen sie wieder mühsam zusammentreiben.
In dieser Tagen machte sich auch eine gute Frau zur Dämmerung auf die Suche nach den geflohenen Tieren. Zwar noch jung an Jahren war sie aber schon die Schamanin in ihrem Clan.
Der weiße Schnee funkelte im Licht der Nacht, und ein heller, hoch stehender Stern erhellte ihr den Weg, als wolle er sie leiten. Ihren Proviant in Form von Nüssen und Beeren trug sie in einem Lederrucksack. Und unter dem Arm etwas Reisig, damit sie im Notfall ein Feuer entfachen konnte.
Endlich fand sie einen Teil der Herde. Sie sprach mit ihnen, denn als Schamanin kannte sie natürlich die Sprache der Tiere. Glücklich machten sich alle zusammen auf den langen Heimweg.
Unterwegs, nach einem halben Tag Strecke, entdeckte sie in einiger Entfernung plötzlich etwas seltsames. Sie war neugierig und näherte sich vorsichtig, die Rentiere folgten ihr. Es war ein ungewöhnliches Gefährt: ein großen Schlitten.
Auf dem Schlitten lagen viele Kleinigkeiten – ein Stein, geeignet für Speer- oder Pfeilspitzen, andere Steine, mit denen man Feuer entzünden konnte. Auch Holzstücke lagen dort, die Tieren oder Menschen ähnelten und mit denen Kinder gern spielten. Daneben Knochensplitter, die sich zum Nähen der Fellkleidung eigneten. Für jeden Menschen schien etwas dabei zu sein.
Doch noch seltsamer erschien ihr, was sie davor sah: Sechs große Wölfe waren vor den Schlitten gespannt. Halb eingeschneit wirkten sie friedlich, doch wachsam und ihre Augen glänzten im Schnee.
Die vielen Dinge weckten das Interesse der Frau, höflich trat sie näher.
„Sei gegrüßt, sagte da einer der Wölfe, er hatte die Frau schon als Schmanin erkannt, "und lasst bitte alles wie es ist“. Wir sind hier, um darauf aufzupassen. Der Besitzer ist ein alter Mann und gerade unterwegs zu den Menschen, um ein paar Sachen davon zu verteilen. Der Schnee ist zu hoch, wir selbst konnten ihm mit dem großen Schlitten nicht folgen.“
„Oh“, sagte die Frau erstaunt, „ihr bewacht also diese Dinge und zieht den Schlitten?“
„Ja“, sagte ein anderer Wolf, „auch das tun wir.“
„Wofür?“, fragte die Schamanin, denn sie wusste, dass nichts im Leben umsonst war.
„Für etwas Essen“, antwortete der Wolf ruhig. „Das ist der Deal.“
Wie ihr seht, wurde das Wort Deal schon damals verwendet.
Die Schamanin überlegte und sprach: „Wenn ich euch Futter gebe und einen warmen Schlafplatz, würdet ihr mir dann auch meinen Besitz und auch mich bewachen? Und wenn ihr bei mir leben dürftet, am warmen Feuer, würdet ihr mir helfen, damit sich unsere Herden nicht mehr zerstreuen? Und wenn ich Euch abends den Nacken graule, würdet ihr mir morgens bei der Jagd helfen“
Die Wölfe überlegten kurz.
„Das klingt gut“, sagte einer der Wölfe, „aber jetzt müssen wir hier noch bleiben. Der Schlitten muss gezogen werden.“
Die Frau überlegte erneut. „Ich habe einen Vorschlag“, sagte sie schließlich. „Seht, ich spanne diese herrlichen Rentiere statt euch ein. Sie ziehen besser durch hohen Schnee. Der Besitzer muss sich nicht mehr allein auf den Weg machen, der Schlitten kann überall mit hin. Dazu lege ich meinen Sack mit Proviant. Und diesen Reisig– damit kann man Feuer machen. All das tausche ich, wenn ihr nun mit mir kommt. Seht, dieses Fell von einem weißen Hasen gebe ich noch dazu, damit man sich Hände oder Hals wärmen kann in dieser Kälte. Das wäre ein guter Deal für alle. Der Alte wird sehr glücklich sein, wenn er zurückkommt.“
Die Wölfe fanden das angemessen und folgten der Frau in ihr Zuhause. Dort bewachten sie die Herden, trieben die Tiere zusammen und halfen bei der Jagd – alles für etwas Futter, Zuwendung und einen warmen Schlafplatz.
„Einen besseren Deal“, dachte die Schamanin, „werden die Menschen nie wieder machen.“
Weil nur Schamanen die Sprache der Wölfe verstanden, nannte man sie die Wolfsflüsterer. Das gibt es heute noch. Da die Wölfe jedoch nun Hunde sind, nennt man solche Menschen Hundeflüsterer.
Und den Schlitten mit dem alten Mann gibt es ebenfalls noch. Jetzt ziehen ihn Rentiere, der Mann trägt einen Mantel mit weißem Fellkragen. Sein Rucksack ist gut gefüllt mit schönen Dingen, auch die Nüsse sind noch dabei. Und den Reisig hat er als Rute gebunden.
Nun, liebe Hundefreunde, wisst ihr, warum der Schlitten zu Weihnachten von Rentieren gezogen wird und nicht von Schlittenhunden. Und wieso der Wolf zum Hund geworden ist – und warum auch er zu Weihnachten etwas ganz Besonderes bekommt. Denn er selbst war, die Frau damals ahnte es, das schönste Geschenk von dem alten Mann für die Menschen.
Schöne Weihnachten für Euch
Mario und Linda
vom Hundecenter Jessat