17/04/2026
Es wird nicht leichter, nur leiser.
Der Schmerz hat gelernt, sich in meinen Alltag einzubauen, ohne jedes Mal alles zum Einsturz zu bringen – aber weg ist er nie. Und ehrlich gesagt: Ich will auch gar nicht, dass er ganz verschwindet. Weil er das ist, was von dir geblieben ist, was sich noch anfühlt wie Nähe.
Ein Jahr ohne dich.
Und trotzdem bist du jeden Tag da.
Ich denke immer noch an dich, oft ganz plötzlich.
Wenn ich irgendwo einen kleinen Hund sehe, der so eigensinnig läuft wie du.
Wenn ich irgendwo ein Geräusch höre, bei dem ich früher sofort wusste: „Das bist du.“
Vor einem Jahr habe ich darüber geschrieben, wie es ist, dich zu verlieren.
Heute schreibe ich darüber, wie es ist, mit diesem Verlust zu leben.
Du fehlst nicht nur – du hinterlässt Lücken, die niemand füllen kann.
Nicht, weil andere es nicht könnten. Sondern weil das, was du warst, nicht ersetzbar ist.
Du warst nie einfach „ein Seelenhund“. Dieses Wort reicht nicht.
Du warst mehr. Viel mehr.
Du warst dieses kleine, laute, eigensinnige Wesen, das von Anfang an seinen eigenen Kopf hatte.
Diese eine Hand voll Leben, die sich nachts nicht einfach schlafen gelegt hat, sondern so lange gemeckert hat, bis ich dich geholt habe.
Und irgendwie hast du das dein ganzes Leben lang beibehalten – du hast dir deine Nähe einfach genommen.
Ich muss heute oft darüber lachen, worüber ich früher manchmal den Kopf geschüttelt habe.
Dass du nie der Hund warst, den man „einfach so“ trainiert.
Dass dich vieles einfach nicht interessiert hat, was andere Hunde begeistert.
Aber wenn es ums Suchen ging, ums Klettern, ums Entdecken – dann warst du da.
Vielleicht war genau das unser Ding:
Wir haben nicht das gemacht, was man „machen sollte“.
Wir haben das gemacht, was uns Spaß gemacht hat.
Und ich merke heute, wie sehr mich das geprägt hat.
Wie sehr du mich geprägt hast.
Ich habe durch dich verstanden, was Zeit wirklich bedeutet.
Nicht im Sinne von „wie viel“, sondern „wie intensiv“.
Diese ganz normalen Momente.
Ich denke oft daran, wie selbstverständlich es für mich war, dass du immer da bist.
Wie du dich einfach an mich gedrückt hast, egal ob es 40 Grad hatte oder das Bett eigentlich viel zu klein war.
Du wolltest einfach nur nah sein. Immer.
Ich habe mal geschrieben, dass ich dir sofort Lebenszeit von mir geben würde, wenn ich könnte.
Das würde ich heute noch genauso sagen. Keine Sekunde würde ich zögern.
Aber ich habe verstanden, dass es nie darum ging, wie lange wir Zeit haben.
Sondern darum, was wir daraus machen.
Und wir haben viel daraus gemacht.
Manchmal frage ich mich, ob du wusstest, wie viel du mir gegeben hast.
Wie sehr du mein Leben verändert hast.
Wie sehr du mich zu dem gemacht hast, der ich heute bin.
Und dann glaube ich: Ja, wusstest du.
Weil du mich genauso angeschaut hast.
Ich vermisse dich.
Nicht nur manchmal. Sondern jeden Tag.
Aber es ist nicht mehr nur dieser rohe Schmerz von damals.
Es ist etwas anderes geworden.
Eine Mischung aus Dankbarkeit und Traurigkeit.
Und ganz viel Liebe, die nirgendwo mehr hin kann – außer in Erinnerungen.
Und als wäre das nicht schon genug gewesen, beginnt gerade alles von vorne.
Berta ist jetzt auch schwer krank.
Wieder Tierarzt, wieder Hoffen, wieder dieses genaue Beobachten von jedem kleinen Zeichen.
Wieder diese Gedanken, die man eigentlich nicht denken will.
Ich merke, wie sich alles in mir dagegen sträubt, diesen Weg nochmal zu gehen –
und gleichzeitig weiß ich, dass ich ihn gehen werde.
Weil sie es wert ist. Genau wie bei dir.
Aber diesmal ist da noch etwas anderes:
Dieses Wissen, wie es ausgehen kann.
Dieses Gefühl, dass ich mich innerlich schon auf den nächsten Abschied vorbereite,
ob ich will oder nicht.
Und es macht mir Angst.
Nicht laut, nicht panisch – sondern leise und konstant.
Ich weiß, dass ich in der nächsten Zeit wieder jemanden verlieren werde,
der für mich nicht „nur ein Hund“ ist.
Sondern ein wichtiger Teil meines Lebens.
Und trotzdem mache ich weiter.
Ich gebe wieder alles, was ich kann.
Zeit, Kraft, Hoffnung – auch wenn ich weiß, wie weh es am Ende tun kann.
Vielleicht ist genau das der Preis für diese Art von Liebe.
Dass man bereit ist, diesen Schmerz mehr als einmal zu tragen.
Du bist in allem, was geblieben ist.
In mir. In uns. In den Geschichten, die ich immer noch erzähle.
Und in diesen Momenten, in denen ich einfach kurz stehen bleibe und an dich denke.
Ein Jahr später würde ich nicht mehr sagen, dass mit dir einfach „ein Stück“ von mir gegangen ist.
Sondern dass ein Teil von dir für immer in mir geblieben ist.
Und das nimmt mir keiner mehr.
In Liebe….