01/09/2026
‼️HÖR AUF, MIT DEINEM HUND ZU TRAINIEREN.‼️
Ja. Das sagt gerade ein Hundepsychologe.
Und nein, ich habe meinen Beruf nicht an den Nagel gehängt.
Aber ich sage diesen Satz tatsächlich immer wieder zu Menschen, die mit ihrem Hund zu mir kommen.
Hör erst einmal auf zu trainieren.
Denn manchmal ist nicht zu wenig Training das Problem.
Sondern viel zu viel davon.
Gerade Menschen, die mit ihrem Hund Schwierigkeiten haben, geraten irgendwann in eine Spirale:
Der Hund pöbelt an der Leine?
Trainieren.
Er kommt draußen nicht zur Ruhe?
Trainieren.
Er orientiert sich nicht am Menschen?
Trainieren.
Er hat Angst?
Trainieren.
Er kann nicht allein bleiben?
Trainieren.
Er reagiert auf Besucher?
Trainieren.
Er zieht an der Leine?
Trainieren.
Er ist draußen ständig auf Sendung?
Noch mehr trainieren.
Also wird geclickert, gemarkert, umgelenkt, bestätigt, korrigiert, abgebrochen, Sitz verlangt, Blickkontakt eingefordert, an der Orientierung gearbeitet und die nächste Trainingsmethode ausprobiert.
Und wenn das alles nicht funktioniert? Dann muss offenbar noch mehr trainiert werden.
Vielleicht aber auch nicht.
Vielleicht sollten wir uns irgendwann eine ziemlich unbequeme Frage stellen: Was, wenn dein Hund gerade gar nicht lernen kann, was du ihm beibringen möchtest?
Ein Hund ist keine Maschine, bei der man oben genügend Trainingsstunden einfüllt und unten irgendwann das gewünschte Verhalten herauskommt.
Lernen braucht Voraussetzungen. Ein Hund, der permanent mit seiner Umwelt beschäftigt ist, ständig Situationen bewerten muss, schlecht zur Ruhe kommt, kaum ausreichend schläft oder draußen dauerhaft in hoher Erregung unterwegs ist, hat möglicherweise ein ganz anderes Problem als ein fehlendes Trainingssignal.
Dann kann ich natürlich noch eine Übung draufpacken.
Und noch eine. Und noch eine.
Ich kann aber auch anfangen zu fragen: Warum ist dieser Hund überhaupt so hochgefahren?
Was überfordert ihn?
Wie sieht sein Alltag aus?
Wie viel schläft er tatsächlich?
Wie viele Reize muss er täglich verarbeiten?
Wie viele Hundebegegnungen erlebt er?
Wie viel wird mit ihm gemacht?
Wie vorhersehbar ist sein Alltag?
Wie sicher fühlt er sich?
Welche Strategien hat er entwickelt, um mit schwierigen Situationen umzugehen?
Und vor allem: Was versucht mir sein Verhalten eigentlich zu sagen?
„Aber ich muss doch an dem Problem arbeiten!“
Ja. Aber an einem Problem zu arbeiten bedeutet nicht automatisch, Verhalten zu trainieren.
Manchmal bedeutet vernünftige Arbeit zunächst:
✅Abstand schaffen.
✅Situationen vermeiden.
✅Erregung reduzieren.
✅Ruhe ermöglichen.
✅Schlaf verbessern.
✅Spaziergänge verändern.
✅Erwartungen herunterschrauben.
✅Reize reduzieren.
✅Den Alltag vorhersehbarer machen.
✅Management einsetzen.
Und manchmal bedeutet es tatsächlich: Einfach mal nichts vom Hund zu wollen.
Das klingt erschreckend unspektakulär. Es verkauft sich auch deutlich schlechter als: „Mit diesen drei Übungen löst du das Problem deines Hundes in sieben Tagen.“
Nur leider interessiert sich das Nervensystem deines Hundes herzlich wenig für Marketing.
Vielleicht kennst du genau diese Situation.
Du hast bereits viel versucht.
Vielleicht warst du schon in einer Hundeschule.
Vielleicht hast du Videos geschaut.
Bücher gelesen.
Podcasts gehört.
Tipps aus Facebook-Gruppen ausprobiert.
Dir wurde gesagt, du müsstest konsequenter sein.
Oder souveräner.
Oder interessanter.
Oder dein Hund brauche mehr Beschäftigung.
Oder mehr Auslastung.
Oder mehr Sozialkontakte.
Oder mehr Grenzen.
Und inzwischen hast du einen ganzen Werkzeugkoffer voller Übungen.
Nur das eigentliche Problem ist immer noch da.
Vielleicht ist es sogar schlimmer geworden.
Dann brauchst du möglicherweise nicht die fünfzehnte Übung.
Dann brauchen wir zunächst eine vernünftige Analyse.
‼️‼️‼️Wenn du dich gerade in diesen Zeilen wiedererkennst, kannst du mir schreiben. Ich biete ein kostenloses Erstgespräch an, in dem wir uns anschauen, wo ihr gerade steht, was euer eigentliches Problem ist und ob ich euch dabei helfen kann. Du musst vorher nicht wissen, welche Trainingsmethode die richtige ist. Genau das herauszufinden ist schließlich mein Job – nicht deiner.‼️‼️‼️
Besonders häufig sehe ich das bei Tierschutzhunden.
Ein Hund kommt aus Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Spanien oder einem anderen Land nach Deutschland. Vielleicht hat er auf der Straße gelebt. Vielleicht im Shelter. Vielleicht in einer Tötungsstation. Vielleicht auf einer Pflegestelle.
Vielleicht wissen wir erstaunlich wenig über sein bisheriges Leben.
Und plötzlich soll er funktionieren. Geschirr anziehen. Leine laufen.
Treppen steigen. Auto fahren. Allein bleiben. Menschen kennenlernen. Andere Hunde treffen. Besuch empfangen. Straßenverkehr aushalten. Im Restaurant unter dem Tisch liegen. Am besten noch Sitz, Platz und Rückruf lernen.
Und wenn der Hund nach einigen Wochen Probleme zeigt, beginnt das Training. Dabei müsste manchmal zuerst etwas ganz anderes passieren: Dieser Hund müsste überhaupt erst die Chance bekommen, seine neue Welt zu verstehen.
Denn Sicherheit entsteht nicht dadurch, dass ich möglichst viele Situationen trainiere.
Sicherheit entsteht unter anderem durch Berechenbarkeit.
Durch Wiederholung.
Durch verlässliche Menschen.
Durch ausreichend Abstand.
Durch die Erfahrung, nicht ständig reagieren zu müssen.
Und durch die Erfahrung: Mein Mensch sieht, wenn es mir zu viel wird. Das ist für mich ein wesentlicher Bestandteil guter Arbeit mit einem Hund.
Und nein: Das bedeutet nicht, dass Hunde nichts mehr lernen sollen.
Natürlich trainiere ich mit Hunden.
Natürlich erarbeite ich Orientierung.
Natürlich trainiere ich Aufmerksamkeit.
Natürlich brauchen Hunde Regeln und Grenzen.
Natürlich müssen wir bestimmte Verhaltensweisen verändern, wenn sie für den Hund, den Menschen oder die Umwelt problematisch oder gefährlich werden.
Aber ich möchte vorher wissen: Mit welchem Hund arbeite ich eigentlich?
Nicht nur: „Was macht der Hund?“
Sondern: „Warum könnte er es machen?“
Denn ein Hund, der aus Unsicherheit nach vorne geht, braucht möglicherweise etwas anderes als ein Hund, der gelernt hat, dass offensives Verhalten zuverlässig Distanz schafft. Ein Hund, der draußen nicht ansprechbar ist, muss nicht automatisch „stur“ sein.
Ein Hund, der seinen Menschen überallhin verfolgt, muss nicht einfach nur lernen, auf seiner Decke zu bleiben.
Und ein Hund, der nicht zur Ruhe kommt, braucht vielleicht nicht noch eine Stunde Kopfarbeit, damit er endlich „ausgelastet“ ist.
Vielleicht braucht er genau das Gegenteil.
Training darf niemals zum Selbstzweck werden.
Ich möchte keinen Hund, der 27 Signale perfekt beherrscht und trotzdem permanent unter Strom steht.
Ich möchte keinen Menschen, der beim Spaziergang ununterbrochen darüber nachdenkt, welche Übung er jetzt anwenden muss.
Und ich möchte vor allem nicht, dass Menschen irgendwann glauben: „Ich habe einfach noch nicht genug trainiert.“
Manchmal haben sie nämlich schon verdammt viel gemacht.
Nur möglicherweise nicht das, was dieser Hund gerade gebraucht hätte.
Deshalb ist einer meiner ersten Schritte bei manchen Mensch-Hund-Teams tatsächlich nicht: „Wir müssen mehr trainieren.“
Sondern: „Wir müssen erst einmal weniger machen.“
Weniger Druck.
Weniger Erwartungen.
Weniger Situationen.
Weniger Methoden-Hopping.
Weniger gut gemeinte Ratschläge von 38 Menschen.
Und dafür:
mehr beobachten.
mehr verstehen.
mehr Struktur.
mehr Ruhe.
mehr Sicherheit.
Und anschließend können wir sehr gezielt an den Dingen arbeiten, die wirklich verändert werden müssen.
Wenn du gerade jeden Spaziergang als Trainingseinheit empfindest, dein Handy voller Trainingsvideos ist und du trotzdem das Gefühl hast, dass ihr keinen Schritt weiterkommt:
Dann hör auf, nach der nächsten Übung zu suchen.
Vielleicht fehlt euch keine Übung.
Vielleicht fehlt euch ein vernünftiger Blick von außen.
👉Schreib mir eine Nachricht oder vereinbare ein kostenloses Erstgespräch. Dann schauen wir uns nicht nur an, was dein Hund macht. Sondern vor allem, warum er es macht – und was ihr wirklich braucht.
Denn manchmal beginnt gutes Hundetraining mit einem ziemlich ungewöhnlichen ersten Schritt: Aufhören zu trainieren.
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© Sven Dowiasch – Hundepsychologe & Hundetrainer
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