24/04/2026
Ich bin als Kind mit dem Gedanken vom Bilderbuch-Bauernhof groß geworden: lachende Tiere auf grünen Wiesen, Kühe, die scheinbar einfach Milch „geben“, Schweine, die im Matsch spielen und Hühner, die jeden Tag „brav“ ein Ei legen. Alles um mich herum wirkte irgendwie leicht; fast wie ein natürlicher Kreislauf, in dem jedes Tier genau das tut, wofür es da ist.
Heute weiß ich allerdings: Die Geschichten, mit denen ich groß geworden bin, waren keine neutrale Vereinfachung. Es waren Geschichten, die genau dort aufgehört haben, wo es unbequem wurde…und auch wenn mich niemand direkt belogen hat, wurde mir dennoch nicht die ganze Wahrheit erzählt. Und genau das macht einen Unterschied.
Was mir damals gefehlt hat, war kein Detailwissen, sondern ein grundlegendes Verständnis dafür, dass hinter Wurst, Milch und Eiern keine abstrakten Produkte stehen, sondern konkrete Lebewesen. Dass eine Kuh nicht „einfach so“ Milch gibt, sondern dafür ein Kalb bekommen muss, welches ihr meist kurz nach der Geburt entreissen wird- und das Tiere nicht irgendwann „friedlich zu Lebensmitteln mutieren“, sondern aktiv getötet werden, damit wir sie essen können.
Als Kind hinterfragt man nicht, was einem als normal präsentiert wird. Wenn Spielzeuge, Schulbücher, Lieder und Geschichten alle dasselbe Bild zeichnen (eine freundliche, saubere, scheinbar harmlose Tierwelt) dann übernimmt man dieses Bild. Man glaubt, dass das, was man isst und trägt, irgendwie selbstverständlich und unproblematisch ist. Dass alles schon seine Ordnung hat.
Allerdings wurde nir in den letzten Jahren bewusst, dass ich damals etwas entscheidendes nicht konnte: Eine echte Entscheidung treffen. Schlicht und ergreifend, weil mir die Grundlage dafür gefehlt hat.
Ich wünschte, ich hätte früher verstanden, was es tatsächlich bedeutet, Wurst zu essen. Nicht als Begriff, nicht als Produkt im Supermarkt, sondern als Konsequenz. Ich hätte wissen wollen, das dafür ein Tier gelebt hat und sterben musste. Dass mein Konsum Teil dieses Systems ist. Vielleicht hätte ich dann anders entschieden. Vielleicht auch nicht. Aber es wäre MEINE Entscheidung gewesen– nicht einfach die Fortsetzung dessen, was mir als „normal“ beigebracht wurde.