24/03/2026
Wir entschuldigen uns erst einmal, dass unser Sonntags-Thema an einem Dienstag kommt, aber aufgrund von zu vielen Notfällen, mussten wir Social Media einmal hinten anstellen 😉
Auf euren Wunsch greifen wir heute ein besonders wichtiges Thema auf und passend zur aktuellen Zeckensaison ist jetzt der perfekte Zeitpunkt dafür.
Die warme Jahreszeit kommt und damit auch ungebetene Gäste: die “lieben” Zecken. Wer kennt sie nicht? 🪲
Alle Jahre wieder finden wir sie bei Hund und Katze, insbesondere in Zeiten des Klimawandels oft sogar schon früh im Jahr. Was macht Zecken so gefährlich? Wie kann man seine Lieblinge schützen und was passiert, wenn die Entfernung nicht so funktioniert wie geplant? 🤔
Die häufigsten durch Zecken übertragenen Erkrankungen sind bei Hund und Katze:
➡️Die bakteriellen Erkrankungen Lyme Borrerliose und Anaplasmose
➡️Die virale Erkrankung FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)
➡️Die Parasitenerkrankung Babesiose
Zecken sind Lauerjäger und warten im höheren Gras oder Gebüsch auf ihren Wirt, sprich, sie beißen, wenn Hund oder Katze durch die Natur läuft. Auf ihrem Wirt angekommen, wandern sie auf dem Körper, bis sie eine geeignete Stelle zum Beißen gefunden haben, hier suchen sie Hautstellen, die es ihnen leichter machen sich festzubeißen - dünne Haut, wenig Haare – wie zum Beispiel die Leistenregion, der Genitalbereich, Achselregion, Kopf und Zwischenzehenbereich und manchmal sogar ganz tückisch am Zahnfleisch.
Die mögliche Übertragung von Krankheitserregern passiert, abgesehen von FSME, nicht unmittelbar, sondern sie benötigen mehrere Stunden bis Tage der Blutmahlzeit. Daraus kann man also schließen: je rascher die Zecke entfernt wird oder stirbt, desto geringer das Risiko für Hund und Katze an zeckenübertragenen Krankheiten zu erkranken.
Aber wie wird nun die Zecke bestmöglich entfernt? 🤔
Hier werden spezielle Entfernungsinstrumente für Zecken empfohlen. Der Markt bietet hier zahlreiche Optionen – von Zeckenzangen über Zeckenpinzetten, Zeckenkarten oder Zeckenschlingen. Was sie aber alle gemein haben ist, dass sie darauf abzielen die Zecke lediglich am Kopf zu greifen und sie dann mit gleichmäßigem Zug zu entfernen, damit die Zecke selbst ihren Stechapparat im Tier lösen kann. Hier ist etwas Geduld gefragt, denn es kann bis zu 30 Sekunden dauern, bis sich die Zecke selbst löst und leicht aus der Haut gleitet. Habt also etwas Geduld – es lohnt sich und die Chance ist am größten, die Zecke vollständig zu entfernen.
Drehen der Zecke ist nicht zu empfehlen, da das Risiko größer ist, dass der Stechapparat abreißt und im Tier verbleibt, maximal mildes neigen kann versucht werden.
Es sollte bei der Entfernung penibel darauf geachtet werden, den Körper der Zecke nicht zu zerdrücken, da sonst ein Abschwemmen von Krankheitserregern von der Zecke ins Tier erfolgen kann. Danach ist eine lokale Desinfektion der Stelle ratsam.
Von der Anwendung von Ölen oder anderen lokalen Produkten kann nur abgeraten werden.
Ist die Zecke an der betroffenen Stelle hartnäckig und lässt sich nicht entfernen oder ihr traut euch vielleicht nicht sie selbst zu entfernen, empfehlen wir eine zeitnahe Vorstellung beim Tierarzt👨⚕️
Was nun aber, wenn ihr die Zecke entfernen konntet, aber dann feststellt, dass ein Teil im Tier geblieben ist? In den allermeisten Fällen handelt es sich hier um den Stechapparat der Zecke. Dieser kann meist nicht ohne Verletzung der Haut entfernt werden. Die Haut sollte lokal desinfiziert werden, weiteres “popeln” in der Wunde führt zu einer stärkeren Entzündung. Der Körper stößt in der Regel den verbliebenen Stechapparat mit der Hauterneuerung nach außen ab. Manchmal entstehen dadurch kleine Granulome (Verdickungen der Haut), die nach mehreren Wochen abheilen. Sollte es doch dazu kommen, meist durch lecken, dass sich die Hautstelle entzündet, ist es ebenfalls ratsam beim Tierarzt vorstellig zu werden.
Hat man die Zecke jedoch erfolgreich entfernen können, sollten sie unschädlich gemacht werden – hier sollte man wissen, dass sie nicht ertrinkt, wenn sie den Abfluss runtergespült wird. Die Zecke kann aber zum Beispiel auf einem Küchentuch und mit einem festen Gegenstand (z.B. Glas) zerdrückt werden und im Abfall entsorgt werden. Klingt brutal, aber ist leider die einzige Möglichkeit sie unschädlich zu machen. Bitte zerdrückt die Zecke nicht mit den Fingern – das erhöht das Infektionsrisiko.
Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, zig Zecken entfernen zu müssen, wird dazu geraten, frühzeitig im Jahr Hund und Katze mit medizinischen Zeckenschutzmitteln über die Zeckensaison zu begleiten. Da die Saison zunehmend länger wird und wir bereits im Dezember Zecken gesehen haben, wir schon ein “Rund-ums-Jahr-Schutz" diskutiert.
Medikamentöse Möglichkeiten von Zeckenschutzmitteln gibt es etliche auf dem Markt, hier werden zwei große Gruppen unterschieden:
💊Repellents (sollen Zecken vom Tier fernhalten), primär als Spot-Ons oder Halsbänder erhältlich
💊Insektizide/Akarizide (sollen Zecken am Tier abtöten), primär als Injektion oder Tabletten erhältlich
Grundsätzlich muss hier jede Situation individuell betrachtet werden:
Welche Tiere möchte ich schützen? Geht mein Tier gerne schwimmen? Leben in einem Haushalt Hunde und Katzen gemeinsam (Spot-Ons für Hunde mit Permethrin oder Deltamethrin können durch Ablecken von der Katze zu Krampfanfällen bei dieser führen)? Fahre ich in den Süden auf Urlaub?
Wir bitten um Verständnis, dass wir in diesem Beitrag nicht auf alternative oder naturheilkundliche Optionen eingehen können, da wir als tierärztliche Praxis nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft beraten müssen und keine nicht wissenschaftlich als sicher nachgewiesenen Heilmethoden empfehlen dürfen.
Wir bedanken uns für eure Aufmerksamkeit. Falls ihr Fragen zum optimalen Schutz habt, könnt ihr euch aber gerne bei uns melden. Schreibt auch gerne eure Erfahrungen in die Kommentare. Wir freuen uns über einen Austausch zu diesem wichtigen, aber oftmals auch unterschätzten Thema. ☺️