Das Pfotenhaus

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21/05/2026

Panikmache vs. Fakten: Warum wir aufhören müssen, wirksame Tierarzneimittel gesundheitsgefährdend zu reden! 🐾

​Liebe Tierfreunde der Tierarztpraxis Ullmann,
​es ist herzerreißend, die berechtigten Ängste und Sorgen von Tierhaltern in den sozialen Medien zu lesen. Ein Kommentar, den uns ein Follower zugeschickt hat (und den wir hier als Beispiel zeigen), spricht genau das an, was viele beschäftigt: „Die US-amerikanische FDA warnt vor Isoxazolinen... Muskulzucken, Ataxie, Krämpfe... Project Jake zeigt 66 Prozent Nebenwirkungen.“
​Wir als Mediziner und Physiologen nehmen diese Sorgen ernst. Aber heute müssen wir etwas tun, was in der lauten Online-Welt oft vergessen wird: Wir nehmen diesen Kommentar komplett auseinander – aber mit der nüchternen, unbestechlichen Linse der Wissenschaft. Wir müssen differenzieren zwischen berechtigten Nebenwirkungen, unwissenschaftlicher Panikmache und dem eigentlichen Nutzen dieser „Chemie“.

​ 1. Die Isoxazoline & die FDA-Warnung: Die ganze Wahrheit
​Ja, der Kommentar von „Nic Bo“ hat Recht: Die FDA hat eine Warnung vor neurologischen Nebenwirkungen bei Isoxazolinen (wie Fluralaner, Afoxolaner, Sarolaner) herausgegeben. Aber was bedeutet das für die tägliche Anwendung?
​Die Häufigkeit: Diese Reaktionen sind extrem selten. In den Zulassungsstudien und der Pharmakovigilanz (Überwachung nach Markteinführung) sprechen wir von Vorkommnissen im Promille-Bereich. Einzelfälle, die natürlich tragisch sind, aber die Sicherheit des Produkts für die überwältigende Mehrheit der Millionen Hunde nicht in Frage stellen.
​Risikobewertung: Jedes Medikament, das eine Wirkung hat, hat auch Nebenwirkungen. Die FDA rät dazu, die Anwendung bei Hunden mit bekannter Anfallsneigung oder Epilepsie sorgfältig abzuwägen – nicht dazu, diese Medikamente generell zu verteufeln.

​2. „Project Jake“ und die 66%-Lüge: Unwissenschaftlichkeit at its best
​Hier wird der Kommentar gefährlich unwissenschaftlich. „Project Jake“ ist keine wissenschaftliche Studie, sondern eine anonyme Online-Umfrage, die von einigen Tierhaltern im Internet durchgeführt wurde.
​Das Problem: Solche Umfragen leiden unter einem massiven „Selection Bias“. Menschen, deren Hunde Nebenwirkungen hatten, nehmen eher teil als die Millionen, deren Hunde gesund sind. Zudem wurden Diagnosen nicht von Tierärzten verifiziert.
​Die Zahl: Die Behauptung, 66 % der Hunde zeigten Nebenwirkungen, ist medizinisch gesehen haltlos und schlichtweg falsch. Wenn zwei Drittel aller Hunde davon krank würden, wären diese Medikamente längst vom Markt. Verlasst euch bitte auf Peer-reviewed-Studien, nicht auf Online-Umfragen.

3. Unverträglichkeit \neq Gift: Der Vergleich mit der Humanmedizin
​Wann hören wir auf, „Chemie“ schlechtzureden? Jedes Lebewesen ist ein Individuum. Dass ein Tier ein Mittel nicht verträgt (z.B. Erbrechen, Durchfall), ist eine Unverträglichkeit. Das ist wie bei Menschen: Wenn jemand ein bestimmtes Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen) nicht verträgt, sucht der Arzt nach einem anderen. Niemand würde Ibuprofen generell als „Gift“ verteufeln, nur weil es Menschen gibt, die es nicht nehmen können. Man muss immer das passende Mittel für den individuellen Patienten finden – das ist medizinischer Standard.

4. Narkosen, Antibiotika und Alkohol: Wo bleibt da die Panik?
​Wieso redet niemand über die tödlichen Risiken von Narkosemitteln beim Menschen? Statistisch gesehen sterben Menschen an Narkosen. Wieso redet niemand über die lebensgefährlichen, anaphylaktischen Schocks, die Menschen auf lebenswichtige Antibiotika (z.B. Penicillin) entwickeln können? Ja, man kann daran sterben. Und dann ist da Alkohol – ein Gift, das der Mensch freiwillig und in großen Mengen zu sich nimmt. Wieso ist das okay, aber geprüfte Medikamente sind „Nervengift“?

5. Das Nutzen-Risiko-Argument: Der rationalste Punkt
​Wahre Tierliebe bedeutet, Nutzen und Risiko rational abzuwägen. Der Kommentar von „Andi Fresse“ bringt es auf den Punkt: Zecken übertragen tödliche Krankheiten wie Borreliose, Anaplasmose, Ehrlichiose oder Babesiose. Diese Krankheiten sind für Hunde eine unmittelbare, lebensbedrohliche Gefahr. Das Risiko einer sehr seltenen Nebenwirkung steht in keinem Verhältnis zu dem Risiko, seinen Hund durch eine unkontrollierte Infektion zu verlieren. Dies ist keine Angstmacherei, sondern statistische Realität.

6. Das Insekten-vs.-Säugetier-Nervensystem (nochmal, weil es so wichtig ist!)
​Wir haben am vergangenen Samstag einen großen Beitrag zu diesem Thema veröffentlicht, den ihr gerne nachlesen könnt. Die Wirkstoffe in modernen Zeckenmitteln sind so entwickelt, dass sie spezifisch auf Rezeptoren im Nervensystem von Gliederfüßern (Insekten, Zecken) wirken, die Säugetiere (Hunde, Menschen) so gar nicht haben. Die Dosis, die für eine Zecke tödlich ist, ist für einen Hund physiologisch unbedenklich. Das ist kein „Nervengift für Hunde“, es ist selektive Parasitenbekämpfung.

Vertraut auf Medizin, nicht auf Mythen
​Wir verstehen die Angst. Aber Panikmache und unwissenschaftliche Mythen schützen eure Tiere nicht. Wir in der Tierarztpraxis Ullmann stehen für ehrliche Medizin. Wir beraten euch individuell und finden für euren Hund oder eure Katze das passgenaue Mittel, das wirksam ist und vertragen wird.
​Wann hören die Leute endlich auf, die wirkungsvolle Chemie schlechtzureden? Helft uns, diese wichtigen Informationen zu verbreiten!
​Wenn ihr heute etwas dazugelernt habt oder euch der Beitrag zum Nachdenken angeregt hat, bitte TEILEN, liken und kommentieren! Eure Unterstützung hilft, Mythen zu bekämpfen und echtes Wissen zu verbreiten! 🐾❤️

​Eure Tierarztpraxis Ullmann

​ 🐾

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