05/05/2017
Für mich ist Horsemanship mehr als nur Seilchen schwingen und mit dem Stick wedeln. Es ist ein Erlebnis, eine Herausforderung, ein Spiegel, ein Gefühl. Es ist eine Lebenseinstellung.
Weder bewerfen wir Pferde stundenlang mit Wattebäuschchen, noch wird sofort der Holzhammer benutzt. Ganz im Gegenteil, gutes Horsemanship ist das dazwischen. Das, was das Pferd versteht, was uns weiterbringt, was Veränderung in unser Pferd bringt und wenn wir es zulassen auch in uns. Wenn man es so nennen will, packen wir das „Wattebäuschchen“ aus und haben dann alles was wir eben doch mehr brauchen, im Rucksack, ja für den Notfall sogar den „Holzhammer“. Wir sind so leise wie möglich, aber so laut wie nötig, wir sind liebevoll konsequent und durchsetzend rücksichtsvoll.
Reiter und ihre Stammeszugehörigkeiten.
Kurz vorab, hier möchte ich niemanden, beleidigen, verurteilen oder dergleichen. An dieser Stelle möchte ich nur mit einem Hauch Sarkasmus ein paar Extreme der Reiterwelt auf den Punkt bringen. Natürlich ist das auch keine Herablassung guter und sinnvoller Trainingsmöglichkeiten.
Mit dem Ziel ein weiches, aufmerksames, lernwilliges Pferd zu haben wedeln wir vom Boden mit dem Seilchen, während unser vierbeiniger Freund neben uns lautstark „Atemlos durch die Nacht“ grölend, auf den Tischen tanz.
Wir schicken wild gestikulierend und am besten mit drei Longierpeitschen gleichzeitig bewaffnet, die komatöse Fellnase im spanischen Schritt durch die, an einen Sandsturm erinnernde Halle.
Wir verschnallen unseren Kumpel beim Reiten mit allem was die Sattelkammer hergibt um auch sicher zu sein, dass er schön vorwärts abwärts, natürlich bitte gleichzeitig auch aufgerichtet und versammelt mit uns über den, akkurat Sandkorn auf Sandkorn gestapelten Platz stolziert.
Wir schlendern entspannte Runden durch die umliegenden Wälder, wollen die nächste langgezogene Steigung natürlich mal sehen was die Knutschkugel so unter der Haube hat, um dann gefühlt die nächsten drei Stunden unterschiedlichsten Fahrzeugen, Tieren, und diversen Gegenständen zu begegnen, was unser Fluchttier natürlich nur mit kleinstem Wimpernzucken kommentiert. Aber wir sind ja nur Feld-, Wald und Wiesenreiter, da muss das Pony ja nicht viel können.
Wir, die „Jeans und Cowboyhut-Fetischisten“, die „Dressur-Akrobaten“, die „Nur-Freizeitreiter“ und alle, die sonst noch mit uns im großem Pool der Pferde- und Reiterwelt schwimmen, haben aber ja dennoch nur ein Ziel. Eine schöne Zeit mit unserem Pferd zu verbringen. Und diese Zeit mit unserem Pferd ist oder wird mit Sicherheit wunderbar, wenn wir unser Pferd bewegen können und nicht unser Pferd uns bewegt. Genau dieses „wer bewegt wen“, das ist Horsemanship in aller Einfachheit.
Pferde und Autos haben einiges gemeinsam.
Wenn bei unserem Pferd Gas, Bremse und Lenkung funktioniert, können wir wie mit einem guten Auto eine entspannte, sichere Zeit haben und die Welt erkunden.
Niemand von uns würde freiwillig mit einem Auto durch die Gegend fahren, dessen Bremse oder Lenkung nicht funktioniert, abgesehen davon würde der TÜV davon nicht viel halten. Dennoch setzen wir uns auf Pferde, deren „TÜV“ abgelaufen ist.
Ganz egal ob wir einen Lada, einen BMW oder einen Porsche fahren, so sind doch die sicherheitsrelevanten Bauteile wichtiger, wie die Farbe der Lackierung. Also lasst uns auch bei unseren Pferden erst die wichtigen Bauteile einbauen oder reparieren und dann kümmern wir uns um den Lack. Karate Kid lehrte uns schon: auftragen, polieren, auftragen, polieren. Je gründlicher wir dabei sind, je mehr kraftvolle, leuchtende Farbe kommt zum Vorschein. Die Veränderung werden wir nicht nur sehen, sondern auch fühlen können.
Egal welcher Stammeszugehörigkeit der Reiterwelt wir entstammen, egal welche Marke und egal welche Lackierung unsere Fellnase hat, für uns alle kann der große Horsemanship-Pool ein Treffpunkt, eine Verbindung, eine Schule, vielleicht sogar eine Lebensschule sein.