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Jil • Angst, Stress & Trauma beim Hund • Köln Spezialisiert auf Angst, Stress und Traumaverhalten beim Hund
Zertifizierte Fear Free® Trainerin
Kooperativ. Gewaltfrei. https://www.jilseelbach.de/impressum

Wissenschaftsbasiert & bedürfnisorientiert.

Kürzlich erhielt ich folgendes Kommentar:„So sieht ja keine Angst aus.“  Und genau solche Aussagen zeigen, wie wichtig e...
09/06/2026

Kürzlich erhielt ich folgendes Kommentar:
„So sieht ja keine Angst aus.“
Und genau solche Aussagen zeigen, wie wichtig es ist, sich mit dem Ausdrucksverhalten eines Hundes auseinanderzusetzen.

Verhalten sieht nicht nur „so oder so“ aus. Ausdruck von Verhalten ist ein Spektrum.
Ausdrucksverhalten wie auch bei der Angst, kann laut und deutlich sein aber sie kann genauso leise, fein und fast unsichtbar wirken.

Ich erinnere mich gut daran, wie ich bei Mika etwas als Erfolg gefeiert habe.
Auch die Person, die uns damals bei der Angstbewältigung begleitete, bestätigte es als Erfolg.
Es brach aber schneller zusammen als ich den Erfolg hätte weiter feiern können, weil es eben keiner war.
Später bekamen wir andere Unterstützung und plötzlich wurden mir all die subtilen Signale gezeigt, die Mika gesendet hatte.
Signale, die ihren emotionalen Zustand klar ausdrückten.

Nein, sie hat nicht gezittert.
Nein, ihre Rute war nicht eingeklemmt.
Aber sie war aufgrund ihrer Ängste massiv angespannt und zeigte mehrere feine Verhaltensweisen, die ich damals nicht erkannt habe und die mir auch vorher nicht erklärt wurden.
Heute durch meine eigene berufliche Laufbahn, konzentiere ich mich sehr auf das Ausdrucksverhalten eines Hundes. Bei Mika und bei den Hunden die ich begleite.
Viele Menschen wollen Verhalten verstehen, der Hund zeigt ja die Antwort auf viele offene Fragen die wir Menschen haben.

Wir als Bezugsmenschen übersehen viele dieser subtilen Zeichen.
Weil wir sie nicht wissen.
Aber häufig auch nicht, weil wir uns nicht kümmern, sondern weil wir so nah dran sind.
Wir sind emotional involviert und genau deshalb ist es so wichtig, das Ausdrucksverhalten seines Hundes bewusst zu beobachten.
Unterschiede wahrzunehmen.
Den Körper lesen zu lernen.
Somit Verhalten, Bedürfnisse und Emotionen zu verstehen.

Auf meinem WhatsApp‑Kanal thematisiere ich unter anderem das Ausdrucksverhalten von Hunden.
Dort gibt es regelmäßige Aufgaben, kleine Umfragen und Impulse, die helfen, diese feinen Signale besser zu verstehen.
Den Link zu meinem Kanal findest du in den Kommentaren.

Geworfene Böller verfolgen uns. Mitten in einem Gang zwischen Häusern, es hallte unglaublich nach. Ich weiß es noch, als...
04/06/2026

Geworfene Böller verfolgen uns.
Mitten in einem Gang zwischen Häusern, es hallte unglaublich nach.
Ich weiß es noch, als wäre es gerade erst passiert, wie laut es war.
Ich selbst hatte keine Angst.
Konnte es einordnen und wusste, dass die Böller weit genug entfernt waren, um uns nicht zu treffen.
Aber trotzdem war es unangenehm.
Es war bedrohlich. Und ich sah natürlich wie schlecht es Mika ging.
Ein „Spaß“ für andere hatte für Mika und mich große Folgen.

Als wir wieder zuhause waren, wirkte sie schnell wieder normal.
Am nächsten Tag dachte ich:
„so tun, als wäre alles normal“.
Aber nach einem als bedrohlich empfundenen Erlebnis ist nichts normal.
Denn was der Körper da zu verarbeiten hat, ist nicht sichtbar.

Hätte ich damals das Wissen gehabt, das ich heute habe, wäre ich ganz anders vorgegangen. Ich hätte Mika anders begleitet.
Aber ich tat das, was die meisten tun:
so tun, als wäre alles gut.
Für Mika war aber nicht alles gut.
Ihr Körper hatte den Stress zu verarbeiten, ihr Nervensystem war reizsensibel. Sie hatte eine unangenehme Lernerfahrung.

Und einige Tage später kam es, wie es kommen musste: ein lautes, knallähnliches Geräusch. Nicht einmal besonders heftig und trotzdem rannte Mika.
Um ihr Leben.
Ab da wurde sie immer reizsensibler.
Immer mehr Geräusche kamen dazu, die ihr Angst machten.

Ich fühlte mich allein.
Wußte nicht was ich tun soll.
Ich fragte meine damalige Hundetrainerin: „Wie kann ich Mika helfen?“
„Blöd“. War ihre erste Reaktion. „Aber da kann man nichts machen“, war dann ihre Antwort.
Auch wenn es gedauert hat ich habe mich damit nicht zufriedengegeben. Ich wollte das es Mika besser geht.
Denn natürlich hätte man etwas machen können.

Auch ich bin, obwohl ich mich dann selbst schon mit dem Thema auseinandersetzte, erst einmal von Ansprechpartnerin zu Ansprechpartnerin gelaufen.

Angst zog damals Kreise.
Mika hätte Regulation und Sicherheit gebraucht, keine Verfolgung des normalen Alltag.
Keine Forderung, keine Überzeugungen.
Sie hätte umgehend verhaltensmedizinisch versorgt werden müssen.
Und es hätte zeitnah verhaltenstherapeutisch gearbeitet werden müssen, damit Mika lernen kann, sich wieder sicher zu fühlen. Bewältigungsstrategien zu lernen.
Heute kann sie das ❤️

Wir unterschätzen Angst und ihre Folgen.

Welche Veränderungen hast du nach einem Angstmoment bei deinem Hund beobachtet?

In der Zeit, in der ich diesen Beitrag schrieb, hatten wir es noch mit den Knallereien zu tun. Dieses Geknalle ist eigen...
02/06/2026

In der Zeit, in der ich diesen Beitrag schrieb, hatten wir es noch mit den Knallereien zu tun. Dieses Geknalle ist eigentlich zeitlich begrenzt und ist es aber vielerorts nicht.
Wochen vor und Wochen nach Silvester wird geknallt und geböllert.
So wie bei uns.
Und die Belastung hört für viele damit nicht einfach auf.
Für viele Lebewesen bedeutet es unnötigen zusätzlichen Stress, als wäre die Zeit rund um den Jahreswechsel nicht ohnehin schon schwer genug.

Mika ist, was das Knallen angeht, inzwischen entspannter.
Sie hat Strategien erhalten, um damit umzugehen, selbst dann, wenn sie ein lauter Knall doch einmal erschreckt.
Sie liegt hier entspannt und schaut vielleicht kurz hoch, denn immer wieder knallt es gerade.
Früher wäre das undenkbar gewesen.
Die Panik, unter der sie früher litt, ist nicht mehr da.
Und trotzdem habe ich oft im Kopf, wie wenig wir von solchen Ängsten tatsächlich mitbekommen.
Wir sehen nur die Spitze des Eisbergs.

Wenn ein Hund Angstverhalten zeigt, erlebt der Körper weit mehr, als der sichtbare Zustand vermuten lässt.
Viele von uns sehen Angst:
Zittern, Hecheln, Unruhe.
Wir erkennen sie im Verhalten:
Meiden, Verstecken, Flüchten, Angreifen.
Und dennoch können wir nur erahnen, wie komplex Angst wirklich ist, denn die biologischen Mechanismen, die im Hundekörper aktiviert werden, bleiben uns verborgen.

Diese Abläufe laufen automatisch ab, lange bevor wir Angstverhalten beobachten können. Sie beeinflussen nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch Wahrnehmung, Körperspannung, Energieverteilung und viele weitere Prozesse. Körper und Emotionen sind eins, sie lassen sich nicht getrennt betrachten.

Hormone schießen blitzschnell durch den Organismus und setzen eine Kette von Reaktionen in Gang.
Sie machen den Körper reaktionsfähig und schärfen das Bewusstsein, um auf mögliche Gefahr vorbereitet zu sein.
Die Atmung wird schneller, der Herzschlag kräftiger, die Muskeln spannen sich an.
Andere Systeme wie die Verdauung werden heruntergefahren, denn Verdauen ist in Gefahrensituationen nicht überlebenswichtig.

So entsteht der Tanz der Angst ein Zusammenspiel aus Nervensystem, Hormonen, Wahrnehmung und Stoffwechsel.
Und all das geschieht in einem Bruchteil von Sekunden.
Und ohne dass wir diesen Ablauf überhaupt wahrnehmen.

6000. 6000 Menschen waren damals in meiner Angsthund‑Gruppe.  Sie war zusammen mit einer anderen, viel älteren Gruppe ei...
28/05/2026

6000.

6000 Menschen waren damals in meiner Angsthund‑Gruppe.
Sie war zusammen mit einer anderen, viel älteren Gruppe eine der größten. Die andere hatte nur ein ein wenig mehr Mitglieder.

Ich habe meine Gruppe geschlossen.
Aus Gründen.
Und ich bereue das bis heute nicht.
Ich konnte und wollte es nicht länger so leisten, wie es verantwortungsvoll nötig gewesen wäre. Die unzähligen Diskussionen à la „ist halt meine Meinung“ kamen erschwerend dazu.
Es hat nicht nur Zeit, sondern auch Kraft gekostet.

Ich habe denoch später eine kleine Gruppe gegründet aber zum Thema Entwicklung.
Die läuft sehr ruhig 🤷🏻‍♀️
Vielleicht, weil Entwicklung weniger laut ist als Angst?
Aber genau dort passiert das Wichtige.
Dahin müssen wir schauen.
Bei Zeiten muss ich die Gruppe auch nochmal umstrukturieren, um mehr Beteiligung reinzubekommen 😜

Jetzt habe ich erfahren, dass diese andere Gruppe inzwischen über 51.000 Mitglieder hat.
Ich bin dort selbst gesperrt, kann also nicht reinschauen und bin über diese Mitteilung fast vom Hocker gefallen.
Wie krass ist das bitte?
Das zeigt, wie riesig das Thema geworden ist.

Aber:
Angst bei Hunden ist kein Thema für schnelle Tipps, keine Bühne für pauschale Ratschläge und keine Sammlung von Standardlösungen.
Ich schrieb damals schon: „Wir sehen weder Hund, noch Mensch, noch Umwelt, noch Interaktionen.“
Und genau das ist das Problem.

Ich sehe, wie viel Schaden das anrichten kann.
„Woher hast du das?“ – „Aus einer Facebook‑Gruppe für Angst.“
Das höre ich öfter, als mir lieb ist.

Ich kann und will das nicht verantworten.
Daher eben keine Angsthundegruppe.
Natürlich kann jeder in solchen Gruppen sein.
Würde man mich dazu fragen, würde ich sagen: „nur, wenn du klar differenzieren kannst, was sinnvoll und was schädlich sein kann“.

Angst ist so individuell wie die Begleitung selbst.
Ich kann nichts kopieren, nichts vorfertigen, nichts „für alle“ empfehlen.
Nicht mal in meinen Begleitungen.
Meine Begleitungen sind immer "live".
Manchmal muss ich etwas länger vorbereiten, manchmal muss ich selbst filmen, damit meine Empfehlung nicht nur schriftlich, sondern auch sichtbar wird.
Wenn ich etwas zeige, dann so, wie es für genau dieses Hund‑Mensch‑Team passend ist.
Mika hilft mir dabei bei jeder Begleitung ❤️

Und ja: Ich kläre weiter auf.
Damals in der Angsthundegruppe.
Heute hier, auf Instagram, TikTok und in meinem Blog.
Weil das Thema groß ist.
Weil der Bedarf groß ist.
Mehr als 51.000‑mal.

Aber ich mache es weiter, auf meine Art verantwortungsvoll und ohne pauschale Lösungen.

Was denkst du über Angsthundegruppen?
Wie sind deine Erfahrungen?

Viele Hunde leben mit Angst, Stress oder traumatischen Erfahrungen und sie müssen damit im Alltag zurechtkommen, oft wei...
26/05/2026

Viele Hunde leben mit Angst, Stress oder traumatischen Erfahrungen und sie müssen damit im Alltag zurechtkommen, oft weil es lange unbemerkt bleibt.
Diese drei Begriffe begleiten mich inzwischen täglich, und deshalb stehen sie jetzt auch in all meinen Profilnamen. Sie beschreiben am deutlichsten, womit ich arbeite.

Angst, Stress und Trauma zeigen sich bei Hunden sehr unterschiedlich.
Manchmal leise, manchmal laut.
Manchmal sichtbar, manchmal gut versteckt.
Aber immer sind es Zustände, die einen Hund vollständig einnehmen und ihn vor weiterer Überforderung schützen sollen auch wenn es von außen nicht immer so wirkt.

Durch Mikas Angstverhalten und durch die Hunde, die ich begleite, habe ich viel gelernt.
Vor allem, wie wichtig es ist, Verhalten einzuordnen, Rahmenbedingungen mitzudenken und vor allem das Tempo rauszunehmen. Erwartungen zu überdenken.

Für viele Menschen ist genau das der entscheidende Punkt:
Wenn man versteht, dass Angst ein Zustand ist und kein „Fehlverhalten“, das man als „anstellen“, „stur“ oder „ungehorsam“ abstempeln kann verändert sich automatisch der Blick auf den eigenen Hund.
Damit beginnt Entwicklung.

Angst, Stress und Trauma beim Hund zu begleiten ist kein schneller Prozess.
Es zeigt Belastung, es fordert Anpassung und es bleibt immer ein Weg, der sich entwickelt.
Für die Menschen.
Und für den Hund selbst.

Hat dein Hund ein Thema mit Angst, Stress, Trauma?

Deprivation Teil 3. Stell dir vor, du erzählst jemandem, der keine medizinische Ausbildung hat, etwas über Symptome und ...
21/05/2026

Deprivation Teil 3.

Stell dir vor, du erzählst jemandem, der keine medizinische Ausbildung hat, etwas über Symptome und plötzlich wird dir eine Diagnose unterstellt.
Passiert.
Vor allem bei Hunden.

Sobald ein Hund Angst zeigt, geht bei vielen sofort die „Deprivationsschublade“ auf.
Dieses Thema habe ich in den letzten Beiträgen thematisiert.

Das wirklich Problematische ist aber, dass Diagnosen von Menschen gestellt werden, die überhaupt keine Diagnosen stellen dürfen.
Und damit meine ich nicht nur Mitglieder aus Angsthundegruppen, wo Hunde die Diagnose "gestellt" bekommen.
Ich meine Tierschutzorganisationen, Hundetrainer:innen, Verhaltensberater:innen bzw. -therapeut:innen, Hundepsycholog:innen, „Hundeflüsterer:innen“ und Tierschutzexpert:innen.

Alle haben eines gemeinsam:
Sie dürfen keine medizinischen Diagnosen stellen.
Trotzdem passiert es und deshalb „leiden“ so viele Hunde aus dem (Auslands-)Tierschutz angeblich unter einem Deprivationssyndrom oder sogar einem Deprivationsschaden und Bezugsmenschen werden verunsichert.

Meine Befugnis als Fachtrainerin für Hunde mit Angst, spezialisiert auf Angst, Trauma und Stress, ist es, über Deprivation aufzuklären.
Ich darf auch sagen:
Aufgrund der Biografie könnte ein Hund depriviert sein und es könnten auch Folgen vorliegen.
Aber für eine Diagnose muss ich an die Verhaltensmedizin überweisen. ich selber dürfte niemals sagen "dein Hund hat...".

Wichtig ist:
Deprivation und seine Folgen zeigt sich nicht bei jedem Hund gleich.
Es gibt kein „typisches Bild“, sondern ein Spektrum an möglichen Auswirkungen.
Und genau deshalb gehört die Diagnostik zum Thema Deprivation in die Hände der Verhaltensmedizin.

Deprivation Teil 2. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit in den Angsthundegruppen:  Mal hieß es, ein Hund sei „deprivi...
19/05/2026

Deprivation Teil 2.

Ich erinnere mich noch gut an die Zeit in den Angsthundegruppen:
Mal hieß es, ein Hund sei „depriviert“.
Im anderen Kommentar las man „Deprivationssyndrom“.
Und in einem wieder weiteren Kommentar war von „Deprivationsschaden“ die Rede.
Alles dasselbe oder doch etwas völlig anderes?

In Hundethemen werden oft Begriffe benutzt, die ähnlich klingen und trotzdem völlig unterschiedliche Dinge meinen.
Besonders rund um Angstverhalten bei Hunden tauchen immer wieder Wörter auf, die gefühlt jedem (Auslands-)Tierschutzhund übergestülpt werden.
Diese Begriffe werden leichtfertig verwendet und miteinander verknüpft.
Tierschutz = irgendwas mit Deprivation.
Diese pauschale Annahme ist nicht nur falsch, sondern führt auch dazu, dass die Begriffe durcheinandergeraten.
Dabei beschreiben Deprivation, Deprivationssyndrom und Deprivationsschaden jeweils etwas völlig anderes.

Deprivation bedeutet, dass in der frühen Entwicklung etwas gefehlt hat. Ein Mangel an Reizen oder Erfahrungen.
Das kann alles sein: zu wenig Bewegung, zu wenig Menschen, zu wenig andere Tiere, einseitiger Untergrund, kaum Umwelt.

Und das betrifft eben nicht nur Tierschutzhunde.
Wenn ein Welpe beim Nachbarn hier in der Region aufgewachsen eine Verletzung hat und wochenlang nicht laufen darf, erlebt er ebenfalls Deprivation:
an Bewegung, an Umwelt, an Erfahrungen. Deprivation beschreibt also nur den Zustand: „etwas war zu wenig vorhanden oder nicht da“.

Ein Deprivationssyndrom ist etwas anderes.
Hier sprechen wir von einem Verhaltensbild. Es gibt Symptome, die sichtbar sind und gemeinsam auftreten.
Ein Syndrom beschreibt das, was wir beobachten können nicht, was im Gehirn passiert.
Es ist ein klinischer Begriff, kein Urteil über Herkunft oder „Schwere“ eines Hundes.

Ein Deprivationsschaden wiederum ist eine neurologische Entwicklungsstörung.
Eine Veränderung im Gehirn, die durch extreme Reizarmut in sensiblen Phasen entstehen kann. Dieser Schaden ist irreversibel.
Und er ist deutlich seltener, als es in vielen Diskussionen dargestellt wird.
Nicht jeder Hund, der unsicher ist oder wenig Umwelt kennt, hat einen Schaden.
Und nicht jedes Syndrom bedeutet automatisch eine neurologische Störung.

Das Problem entsteht, wenn wir diese Begriffe leichtfertig benutzen, pauschal Hunden überstülpen und dann auch noch miteinander vermischen.
Dann wird aus einem Hund, dem einfach Erfahrungen fehlen, plötzlich ein „schwerer Fall“.
Aus einem Hund mit sichtbaren Symptomen wird ein „Problemhund“.
Und aus einem Hund mit Überforderung wird ein „Deprivationsschaden“.

Das ist weder fair noch fachlich korrekt.

Hunde brauchen keine pauschalen Etiketten.
Sie brauchen eine realistische Einschätzung dessen, was wirklich vorliegt und was sie an Begleitung brauchen.

Als Mika vor einigen Jahren ein zunehmendes Angstverhalten zeigte, suchte ich den Austausch in einer „Angsthundegruppe“....
15/05/2026

Als Mika vor einigen Jahren ein zunehmendes Angstverhalten zeigte, suchte ich den Austausch in einer „Angsthundegruppe“.
Ich wollte keinen Rat und keine Tipps.
Ich hatte einfach das Bedürfnis, Menschen zu finden, die ebenfalls mit einem ängstlichen Hund leben.

Dort wurde ich zum ersten Mal mit dem Etikett „Deprivationshund“ konfrontiert.
Und vielleicht geht es dir ähnlich:
Besonders bei Hunden aus dem (Auslands-)Tierschutz wird unglaublich schnell von Deprivationshunden gesprochen.
Gefühlt waren dort in dieser Gruppe alle Hunde Deprivationshunde.
Unter fast jedem Beitrag stand es.
Auch in meiner später eigenen Gruppe, wurde es häufig erwähnt, warum meine Gruppe eben auch „strengen“ Regeln unterstand um Bewertungen und diagnostische Fehlinformationen zu minimieren.

Ich bin heute in keiner dieser Gruppen mehr und weiß nicht, ob es immer noch so pauschal verwendet wird.
Aber damals war für mich klar:
„Mika wird bestimmt ein Deprivationshund sein. Daher hat sie diese Angst entwickelt.“

Ehrlich gesagt fühlte es sich sogar wie ein Stück Antwort an.
Für einen kurzen Moment gab es mir eine Erklärung.
Unsere Gehirne wollen Erklärungen und Antworten.

Doch je weiter ich in meiner Ausbildung kam und je mehr Weiterbildungen ich im Bereich Stress und Angstverhalten bei Hunden machte, desto deutlicher wurde mir:
Diese Einordnung ist nicht haltbar.
Nicht bei Mika.
Und nicht pauschal bei anderen Hunden.

In vielen Anfragen, die ich heute bekomme, wird mir direkt mitgeteilt, der Hund käme aus dem (Auslands-)Tierschutz und sei ein Deprivationshund.
In Social Media, in Angsthundegruppen, von Fachpersonen und auch von Bezugsmenschen wird es oft so dargestellt, als wären (Auslands-)Tierschutz und Deprivation quasi ein Gesetz.
Dabei werden teilweise schwerwiegende Diagnosen ausgesprochen von Menschen, die sie weder einordnen könnten noch dürften.

Jedes Lebewesen kann Deprivation erlebt haben.
Du, ich und ein Hund unabhängig davon, ob er aus einer Zuchtstelle aus dem Inland, einer „Hobby- Verpaarung“, einer Vermehrung oder aus dem (Auslands-)Tierschutz stammt.

Es ist aber wesentlich komplexer, als es oft dargestellt wird:
Ein Hund kann depriviert sein, ohne Symptome zu zeigen.
Ein Hund kann Symptome zeigen, ohne depriviert zu sein.
Ein Hund kann depriviert aufgewachsen sein, ohne dass es Folgen hat.

Deprivation ist ein Umweltzustand, kein Herkunftssiegel.
Es ist ein Zustand, der grundsätzlich bei jedem Hund vorkommen kann.
Und es bedeutet nicht automatisch, dass ein Hund dadurch unter Folgen leiden muss.

Zu diesem Thema folgen noch weitere Teile. Auch auf Instagram, TikTok und meinem WhatsApp Kanal greife ich es auf.
Schau gerne vorbei die Links zu meinen Kanälen findest du in den Kommentaren.

Ist dir der Begriff Deprivationshund schon begegnet?

Das Wahrnehmen und Lesen der hündischen Körpersprache und Kommunikation ist elementar. Genau damit haben jedoch viele Me...
13/05/2026

Das Wahrnehmen und Lesen der hündischen Körpersprache und Kommunikation ist elementar.

Genau damit haben jedoch viele Menschen Schwierigkeiten.
Körpersprache ist subtil, manchmal sehr schnell. Es ist auch der gesamte Kontext wichtig und so kann es verunsichern und auch demotivieren sich damit auseinander zu setzen.
Dazu kommt wir bewerten meist.
Ohren nach hinten bei Angst?
Ohren nach vorne keine Angst?

Wenn wir uns jedoch bewusst damit auseinandersetzen, können wir viel besser verstehen, was unser Hund uns und seiner Umwelt mitteilen möchte.
Wie der Ausdruck seines Wohlbefindens ist.
Wir können beobachten lernen, wie der Ausdruck in verschiedenen Kontexten ist.

Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich damit verbracht habe, Mikas Ausdrucksverhalten zu beobachten und zu dokumentieren.
Aber auch unterschiedliche Hunde, verschiedene Situationen, verschiedene Rassen.

Beobachten zu lernen ist ein Prozess.
Viele Menschen merken gar nicht, wie spannend es sein kann, wenn man beginnt, diese feinen Nuancen wahrzunehmen.
Wenn wir wertfrei beobachten.
Und am besten lernt man das durch Tun am eigenen Hund, denn er steht im Fokus.

Ich hatte eine kleine Messanger Körpersprache-Gruppe mit einer begrenzten Anzahl an Mitgliedern.
Aber durch diese Gruppe hat sich einiges weiterentwickelt.

Zukünftig wird es auf meinem WhatsApp-Kanal kleine Aufgaben und Inputs zum Thema Körpersprache und Kommunikation geben.
Frei verfügbar für alle, die Interesse haben.
Du kannst in deinem eigenen Tempo teilnehmen.
Es gibt keinerlei Erwartungshaltung an dich.

Auf dem Kanal findest du aber auch weiterhin das monatliche „Frage Antwort Format“.
Du kannst Fragen stellen, die ich in meinem Tempo innerhalb eines Monats allgemein gültig beantworte. Nicht nur zur Körpersprache.

Die heutige Wochenaufgabe zum Thema Körpersprache findest du auf meinem WhatsApp-Kanal.
Auf meinen anderen Social-Media-Kanälen gibt es zusätzlichen Input dazu.
Alle Links findest du in den Kommentaren.

Viel Freude!

Wisst ihr, was ich traurig finde?  Wenn Menschen einen Zweithund allein in Betracht ziehen, damit der erste Hund, also e...
11/05/2026

Wisst ihr, was ich traurig finde?
Wenn Menschen einen Zweithund allein in Betracht ziehen, damit der erste Hund, also ein unsicherer, ängstlicher Hund, selbstsicherer wird.

Wir hatten das damals häufig in meiner Angsthundegruppe, und mir begegnete diese Frage jetzt erneut.

Zum einen kann das niemand sicher beantworten, weil Emotionen, Verhalten und Reizbewertung immer individuell sind.
Hund A, also der mit Ängsten, kann auch ängstlich bleiben, selbst wenn Hund S, der selbstsichere Hund, nicht ängstlich reagiert. Aber auch ein ursprünglich sicherer Hund kann eigene Unsicherheit bis hin zu Angstverhalten entwickeln.
Was macht man dann, wenn plötzlich zwei Hunde unsicher, überfordert oder ängstlich sind?
Hinzu kommt, dass ein Zweithund niemals eine therapeutische Maßnahme ersetzt, sondern höchstens ein unterstützender Faktor in der Regulation sein kann.

Niemand kann vorhersagen, ob ein zweiter Hund Sicherheit gibt.
Und ein Zusammenleben ist schlicht etwas anderes als sich draußen irgendwo zu treffen, wo es sehr wohl sein kann, dass ein anderer Hund Selbstsicherheit schenkt.
Wobei man genau hinschauen muss ist es mehr Aktivierung oder wirklich eine emotionale Veränderung?

Es wird häufig unterschätzt, welche Erwartungshaltung man an den zweiten Hund stellt, und ebenso unterschätzt, wie anstrengend es für einen zweiten Hund werden kann, dann ständig emotionales Verhalten zu regulieren.
Außerdem kann ein zusätzlicher Hund einen ohnehin belasteten Hund auch überfordern, was die Situation weiter verschärfen kann.

Wenn man sich einen zweiten Hund holen will, dann weil man die Vorstellung mag, weil man die zeitlichen und finanziellen Ressourcen hat.
Die Frage ist also nicht: „Kann es meinem unsicheren oder ängstlichen Hund helfen?“
Sondern die Fragen sollten sein:
- „Würde ich mir den zweiten Hund auch holen, wenn Hund A nicht unsicher oder ängstlich wäre oder wenn es den ersten Hund gar nicht gäbe?“
- „Ist mir der Mehraufwand bewusst, und kann ich diesen leisten, besonders dann, wenn es im Zusammenleben zu Konflikten kommt?“
- „Ist der ersten Hund stabil genug und kann seine Unsicherheit oder Ängste unabhängig von einem anderen Hund bearbeiten?“

Einen Zweithund allein für den unsicheren- ängstlichen Hund zu holen, heißt, Verantwortung auf ein anderes Lebewesen zu verlagern.
Und genau das ist unfair, denn die Hunde tragen die Konsequenzen, wenn sie Erwartungen erfüllen sollen, die sie nicht tragen können.

Was sind deine Gedanken zum Thema Zweithund für den unsicher- ängstlichen Hund?

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