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Blutbilder beim Pferd – Teil 5 von 6Mineralstoffe & Vitamine: Wie aussagekräftig sind Blutwerte wirklich?Blutuntersuchun...
27/05/2026

Blutbilder beim Pferd – Teil 5 von 6
Mineralstoffe & Vitamine: Wie aussagekräftig sind Blutwerte wirklich?

Blutuntersuchungen auf Zink, Kupfer, Calcium oder Vitamine werden in der Pferdepraxis immer häufiger durchgeführt.
Doch wichtig zu wissen ist:
👉 Nicht jeder Blutwert zeigt zuverlässig, wie gut ein Pferd tatsächlich versorgt ist.

Gerade bei vielen Mineralstoffen und Vitaminen ist die Aussagekraft von Blutwerten deutlich eingeschränkter, als häufig angenommen wird.

Warum ist das so?
Der Körper reguliert viele Nährstoffe sehr streng, um lebenswichtige Funktionen aufrechtzuerhalten.
Deshalb bleiben Blutwerte oft lange stabil — selbst dann, wenn die Versorgung bereits nicht optimal ist.

Viele Mineralstoffe und Vitamine befinden sich außerdem überwiegend:
• in Organen,
• in Knochen,
• in der Muskulatur,
• in der Leber,
• oder innerhalb von Zellen.

Das Blut dient häufig eher als Transportweg und nicht als eigentlicher Speicher.

Zink & Kupfer
Bei Zink und Kupfer ist die Aussagekraft von Blutwerten besonders begrenzt.
Studien zeigen, dass Blutkonzentrationen die tatsächliche Versorgung oft nur unzureichend widerspiegeln.

In Untersuchungen von Prof. Dr. Vervuert und Kolleg:innen zeigten Pferde selbst unter teils deutlich erhöhter Zink- und Kupferaufnahme häufig weiterhin unauffällige oder nur gering veränderte Blutwerte.

Das bedeutet:
Blutwerte reagieren oft erst spät auf Veränderungen der Versorgung.

Gleichzeitig wird dadurch ein weiteres Problem deutlich:
Viele Pferde erhalten heute hochdosierte Mineralfutter oder zusätzliche Einzelpräparate „vorsorglich“, obwohl Blutwerte dafür häufig keine verlässliche Grundlage liefern.

Eine langfristige Überversorgung mit Spurenelementen ist jedoch nicht harmlos.

Zu hohe Zinkmengen können beispielsweise:
• die Aufnahme anderer Spurenelemente wie Kupfer beeinträchtigen,
• Stoffwechselprozesse beeinflussen,
• bei starker Überversorgung sogar zu Vergiftungen führen

Auch überhöhte Kupfermengen sind nicht automatisch sinnvoll und sollten nicht ohne fundierte Rationsbewertung ergänzt werden.
👉 Mehr ist also nicht automatisch besser.

Calcium
Auch Calciumwerte im Blut sind nur sehr eingeschränkt zur Beurteilung der Versorgung geeignet.

Warum?
Der Calciumspiegel im Blut wird hormonell extrem streng reguliert, da Calcium lebenswichtig für:
• Muskelfunktion,
• Nervenleitung,
• Herzfunktion,
• und Knochenstoffwechsel ist.

Selbst bei deutlichen Problemen in der Fütterung bleibt der Blutwert deshalb oft lange stabil.
Der Körper greift dann unter anderem auf Calciumreserven aus dem Knochen zurück, um den Blutspiegel konstant zu halten.

Ein normaler Calcium-Blutwert bedeutet also nicht automatisch, dass die Versorgung optimal ist.

Selen
Selen gehört zu den Spurenelementen, deren Versorgung sich über Blutwerte vergleichsweise besser beurteilen lässt.

Im Gegensatz zu Zink oder Kupfer kann die Seleniumkonzentration im Blut tatsächlich Hinweise auf die aktuelle Versorgung geben.

Trotzdem gilt auch hier:
Die Interpretation sollte immer zusammen mit Fütterung, Haltung, klinischen Symptomen und Gesamtration erfolgen.

Denn auch Selen kann problematisch werden:
• sowohl bei Unterversorgung
• als auch bei Überversorgung (Hufrehe!)

Gerade weil Selen häufig zusätzlich supplementiert wird, ist eine unkontrollierte Gabe nicht empfehlenswert.

Vitamine
Auch bei Vitaminen ist die Interpretation häufig komplex.

Fettlösliche Vitamine wie Vitamin A oder E können im Körper gespeichert werden.
Blutwerte schwanken deshalb teilweise unabhängig von der tatsächlichen langfristigen Versorgung.

Vitamin E kann diagnostisch hilfreich sein, die Werte werden aber unter anderem beeinflusst durch:
• Fütterung,
• Weidegang,
• Lagerung des Futters,
• Zeitpunkt der Probenentnahme,
• und den Fettgehalt der Nahrung.

B-Vitamine werden teilweise von Darmmikroorganismen produziert.
Blutwerte liefern deshalb oft nur begrenzt Informationen über die tatsächliche Versorgung oder Verfügbarkeit im Gewebe.

Was bedeutet das praktisch?
Blutwerte niemals isoliert betrachten
Fütterung und Gesamtration immer mit beurteilen
Symptome und klinisches Bild berücksichtigen
Überversorgung vermeiden
Keine hochdosierten Ergänzungen „auf Verdacht“

Gerade im Bereich der Mineralstoffe und Vitamine ist die Interpretation deutlich komplexer, als einzelne Laborwerte vermuten lassen.

Im letzten Beitrag der Reihe geht es um spezielle Krankheitsdiagnostik: Infektionskrankheiten, hormonelle Erkrankungen, genetische Erkrankungen und weitere Spezialuntersuchungen.

26/05/2026

Salz für Pferde

Bitte achtet bei euren Pferden auf eine ausreichende Natriumversorgung, insbesondere bei heißen Temperaturen, starkem Schwitzen, intensivem Training und viel Weidegang (Gras ist sehr reich an bspw. Kalium, aber abgesehen von Küstennähe sehr natriumarm).

Ein Salzleckstein reicht in den meisten Fällen nicht aus, um dieses Defizit auszugleichen Ein Großpferd bei echter mittlerer Arbeit kann durchaus einen Bedarf von 24 g Natrium pro Tag haben (das sind ca. 60 g Salz), der nur zu relativ geringem Anteil über das Grundfutter abgedeckt wird.

Ein Mangel an Salz kann lebensbedrohliche gesundheitliche Auswirkungen, aber auch schnell spürbare Folgen wie zu wenig trinken und dadurch Leistungsverlust und Verstopfungskoliken verursachen, die deutlich seltener mit so etwas einfachem wie „Salz“ in Verbindung gebracht werden.

Also, achtet mal wirklich darauf wie viel Salz eure Pferde wirklich aufnehmen (Wie lange hält der Leckstein?) und ergänzt im Zweifelsfall. Aber bitte Zielgerichtet, nicht viel hilft viel! 😉

Blutbilder beim Pferd – Teil 4 von 6Organwerte & klinische Chemie: Was verraten sie über die Gesundheit?Neben dem roten ...
25/05/2026

Blutbilder beim Pferd – Teil 4 von 6
Organwerte & klinische Chemie: Was verraten sie über die Gesundheit?

Neben dem roten Blutbild können im Blut auch verschiedene Stoffe gemessen werden, die Hinweise auf die Funktion von Organen und den Stoffwechsel geben.
Dieser Bereich wird oft als klinische Chemie bezeichnet.

Welche Organbereiche können beurteilt werden?

Leberwerte
Zum Beispiel: GLDH, GGT, AST
Die Leber spielt eine zentrale Rolle im Stoffwechsel und bei der Entgiftung.
Veränderte Werte können Hinweise auf Leberbelastungen, Entzündungen oder Stoffwechselprobleme geben.

Muskelwerte
Zum Beispiel: CK und AST
Diese Werte steigen häufig nach starker Belastung an, können aber auch auf Muskelprobleme oder Muskelzellschäden hinweisen.

Nierenwerte
Zum Beispiel: Kreatinin und Harnstoff
Die Nieren sind wichtig für die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten und die Regulation des Flüssigkeitshaushalts.
Erhöhte Werte können auf eine eingeschränkte Nierenfunktion oder Dehydrierung hinweisen.

Entzündungsmarker
Zum Beispiel: Fibrinogen oder Serum-Amyloid-A
Sie helfen dabei einzuschätzen, ob im Körper entzündliche Prozesse ablaufen.

Elektrolyte
Zum Beispiel: Natrium, Kalium, Chlorid, Calcium und Magnesium
Diese Stoffe sind wichtig für Muskeln, Nerven und den Wasserhaushalt.
Veränderungen können unter anderem durch Schwitzen, Durchfall oder Erkrankungen entstehen.

Wofür werden diese Werte genutzt?

Abklärung von Leistungseinbrüchen
Kontrolle von Stoffwechsel- und Organfunktionen
Einschätzung nach intensiver Belastung
Unterstützung bei der Diagnostik von Entzündungen oder Vergiftungen
Verlaufskontrollen bei Erkrankungen

Wichtig:
Ein einzelner erhöhter Wert bedeutet nicht automatisch eine Erkrankung. Training, Stress, Fütterung oder Medikamente können Blutwerte ebenfalls beeinflussen. Deshalb ist immer die Gesamtheit aller Befunde entscheidend.

Im nächsten Beitrag geht es um Mineralstoffe und Vitamine: Welche Werte wirklich sinnvoll sind und was Blutanalysen über die Versorgung des Pferdes aussagen können.

Großes Blutbild beim Pferd Teil 3 von 6 – was sagen Lymphozyten, Eosinophile & Co.?Neben den roten Blutwerten liefert da...
22/05/2026

Großes Blutbild beim Pferd Teil 3 von 6 – was sagen Lymphozyten, Eosinophile & Co.?

Neben den roten Blutwerten liefert das große Blutbild noch viele weitere spannende Hinweise auf die Gesundheit deines Pferdes. u. A.:

Lymphozyten
Teil des Immunsystems. Erhöhte Werte können auf Virusinfektionen oder chronische Entzündungen hinweisen. Niedrige Werte sieht man häufig bei Stress oder Cortisolausschüttung.

Neutrophile Granulozyten
Die „erste Abwehrreihe“ bei bakteriellen Infektionen. Hohe Werte sprechen oft für akute Entzündungen oder Infektionen.

Eosinophile Granulozyten
Steigen häufig bei Parasitenbefall oder allergischen Reaktionen an.

Monozyten
„Aufräumzellen“ des Körpers. Können bei chronischen Entzündungen oder längeren Infektionsgeschehen erhöht sein.

Basophile Granulozyten
Kommen seltener vor, spielen aber ebenfalls bei Allergien und Entzündungsreaktionen eine Rolle.

Leukozyten gesamt
Die Gesamtheit aller weißen Blutkörperchen. Veränderungen geben oft erste Hinweise auf Infektionen, Stress oder Entzündungen.

Wichtig:
Ein einzelner Wert allein sagt oft noch wenig aus. Entscheidend ist immer das Gesamtbild aus Symptomen, Untersuchung und allen Laborwerten zusammen.

Deshalb sollte ein Blutbild immer individuell interpretiert werden – idealerweise zusammen mit dem behandelnden Tierarzt.

Blutbilder beim Pferd – Teil 2 von 6Das rote Blutbild: Was verrät es eigentlich?Das sogenannte rote Blutbild untersucht ...
20/05/2026

Blutbilder beim Pferd – Teil 2 von 6
Das rote Blutbild: Was verrät es eigentlich?

Das sogenannte rote Blutbild untersucht die Bestandteile des Blutes, die für den Sauerstofftransport verantwortlich sind.
Es hilft Tierärzt:innen dabei einzuschätzen, wie gut der Körper mit Sauerstoff versorgt wird und ob Hinweise auf Erkrankungen, Blutverlust oder Belastungen vorliegen.

Welche Werte gehören dazu?

Erythrozyten (rote Blutkörperchen)
Sie transportieren Sauerstoff durch den Körper.
Zu wenige rote Blutkörperchen können z. B. auf Blutverlust, Erkrankungen oder eine sogenannte Anämie hinweisen.

Hämatokrit (Hkt)
Dieser Wert zeigt, wie groß der Anteil der Blutzellen im Verhältnis zur Flüssigkeit im Blut ist.
Ein erhöhter Hämatokrit kann z. B. bei Flüssigkeitsmangel auftreten.
Ein niedriger Wert kann auf Blutarmut hindeuten.

Hämoglobin (Hb)
Hämoglobin ist der rote Blutfarbstoff in den Erythrozyten und bindet Sauerstoff.
Der Wert zeigt also mit an, wie gut Sauerstoff transportiert werden kann.

Erythrozytenindizes (MCV, MCH, MCHC)
Diese Werte beschreiben Größe und Hämoglobingehalt der roten Blutkörperchen.
Sie helfen dabei, verschiedene Formen von Anämien genauer einzuordnen.

Wofür wird das rote Blutbild genutzt?

Abklärung von Leistungsschwäche
Hinweise auf Blutverlust oder Anämien
Einschätzung von Flüssigkeitsmangel
Kontrolle bei Erkrankungen oder nach Belastung
Ergänzung bei Vorsorgeuntersuchungen

Wichtig zu wissen:
Beim Pferd können Stress, Training, Transport oder Aufregung die Blutwerte kurzfristig verändern. Deshalb sollte ein Blutbild immer im Zusammenhang mit dem klinischen Gesamtbild beurteilt werden.

Im nächsten Beitrag geht es um Organwerte und klinische Chemie: Was Leber-, Muskel- und Nierenwerte über die Gesundheit des Pferdes verraten können.

Blutbilder beim PferdTeil 1 von 6 – EinführungBlutbilder gehören zu den wichtigsten diagnostischen Werkzeugen in der Pfe...
18/05/2026

Blutbilder beim Pferd
Teil 1 von 6 – Einführung

Blutbilder gehören zu den wichtigsten diagnostischen Werkzeugen in der Pferdemedizin. Sie liefern wertvolle Hinweise auf den Gesundheitszustand, Stoffwechsel, Organfunktionen, Entzündungen oder Mangelversorgungen – oft bereits bevor klinische Symptome sichtbar werden.

Doch: Ein Blutbild ist niemals „nur ein Wert auf Papier“. Die Interpretation hängt immer vom Gesamtbild ab – also von Alter, Rasse, Haltung, Training, Fütterung und natürlich den klinischen Symptomen des Pferdes.

In dieser Beitragsreihe schauen wir uns Schritt für Schritt an, welche Informationen ein Blutbild liefern kann und wie einzelne Werte richtig eingeordnet werden.

Die Reihe besteht aus insgesamt 6 Beiträgen:

1. Einführung & Grundlagen
Was ein Blutbild überhaupt aussagen kann – und wo seine Grenzen liegen.
2. Das rote Blutbild
Erythrozyten, Hämatokrit, Hämoglobin & Co.
3. Das Große Blutbild
Lymphozythen, Eosinophile & Co.
4. Organwerte & klinische Chemie
Leber-, Muskel- und Nierenparameter sowie Entzündungsmarker.
5. Ernährungsphysiologische Werte
Mineralstoff- und Vitaminanalysen
6. Spezielle Krankheitsdiagnostik
Infektionskrankheiten, genetische Erkrankungen, Vergiftungen, Endokrinologie (z. B. EMS/PPID) und weitere

Wichtig: Einzelne Werte sollten niemals isoliert betrachtet werden. Gerade beim Pferd beeinflussen Training, Stress, Jahreszeit oder Fütterung viele Blutparameter erheblich.

In den nächsten Beiträgen gehen wir die einzelnen Bereiche detailliert durch.

Blutdiagnostik bei Hufrehe, EMS, PPID & InsulindysregulationHufrehe ist häufig die Folge einer Insulindysregulation (ID)...
15/05/2026

Blutdiagnostik bei Hufrehe, EMS, PPID & Insulindysregulation

Hufrehe ist häufig die Folge einer Insulindysregulation (ID) – besonders bei Pferden mit Equinem Metabolischem Syndrom (EMS) oder PPID (Equines Cushing).
Wichtig: Ein „normales“ Blutbild schließt ID nicht sicher aus.

Deshalb unterscheidet man zwischen:
• Basalen Screening-Tests = einfache Blutabnahme im Stall
• Dynamischen Tests = Belastungstests mit Zucker oder Glukose

Die einfache Blutabnahme im Stall (Screening)
Typische Parameter:
• Basalinsulin
• Glukose
• ACTH (für PPID)
Vorteil:
• schnell
• günstig
• wenig Stress
• gut als Erstscreening

Nachteil:
• deutlich geringere Sensitivität
• viele Pferde mit ID haben normale Nüchtern-Insulinwerte und unauffällige Glucosewerte im nicht-nüchternen Zustand.

Studien zeigen:
Ein normales Basalinsulin oder ein normaler Glucosewert schließt eine Insulindysregulation NICHT sicher aus. Dynamische Tests erkennen deutlich mehr betroffene Pferde.

EMS vs. PPID – was wird gemessen?

EMS ist vor allem gekennzeichnet durch:
• Insulindysregulation
• regionale Fettdepots
• erhöhtes Hufreherisiko

Entscheidend ist hier die Beurteilung des Insulinstoffwechsels.

Tests:
• Basalinsulin
• Oral Sugar Test (OST)
• Oral Glucose Test (OGT)
• CGIT (Combined Glucose-Insulin-Test)

PPID
PPID betrifft die Hypophyse.
Wichtigster Screeningwert:
• ACTH

Aber:
Viele PPID-Pferde haben zusätzlich eine Insulindysregulation – und genau diese erhöht das Hufreherisiko massiv. Deshalb sollte bei PPID immer auch die Insulinregulation geprüft werden.

Bei dynamischen Tests wird geprüft, wie stark das Pferd auf Zucker reagiert.

Dadurch erkennt man:
• postprandiale Hyperinsulinämie
• frühe ID
• versteckte Stoffwechselstörungen

Der am häufigsten genutzte Feldtest ist der:

Oral Sugar Test (OST)
Ablauf:
1. Blutprobe nüchtern/basal
2. Zuckersirup oral
3. erneute Blutprobe nach definierter Zeit

Studien zeigen:
Der OST erkennt ID zuverlässiger als reine Basalwerte.

Muss das Pferd nüchtern sein?
Früher wurde häufig langes Fasten empfohlen.
Neuere Studien zeigen jedoch:

Zu langes Nüchternstellen kann:
• Stress erzeugen
• Insulinwerte verändern
• Ergebnisse verfälschen

Für den OST scheint ein kurzes Futtermanagement sinnvoller als langes Hungern.
Mehrere Arbeiten zeigen, dass bereits 3 Stunden ohne Futter andere Basalwerte erzeugen können, ohne den eigentlichen Testerfolg wesentlich zu verbessern.

Deshalb folgen viele aktuelle Protokolle:
• kein Kraftfutter vorher
• Heu begrenzt
• kurze kontrollierte Futterpause statt langem Fasten

Warum ein negativer Screening-Test nicht reicht
Ein Pferd kann ein normales Basalinsulin haben aber trotzdem pathologisch auf Zucker reagieren

Genau deshalb empfehlen aktuelle wissenschaftliche Arbeiten bei klinischem Verdacht häufig zusätzliche dynamische Tests.

FressbremsenKaum ein Thema wird im Pferdebereich so emotional diskutiert wie Fressbremsen.Die Kritikpunkte sind absolut ...
13/05/2026

Fressbremsen

Kaum ein Thema wird im Pferdebereich so emotional diskutiert wie Fressbremsen.
Die Kritikpunkte sind absolut berechtigt – aber die Realität ist deutlich komplexer als „gut“ oder „schlecht“.

Häufige Kritik:
• Hitzestau bei manchen Modellen
• Scheuerstellen an Nase & Kinn
• manche Modelle passen nicht an automatische Tränkebecken
• Frust durch eingeschränkte Futteraufnahme
• Verstopfen durch Gras/Sand
• manche Pferde lernen „Tricks“ und fressen fast normal weiter
• andere kommen kaum zurecht und nehmen zu wenig auf

Und genau da liegt der entscheidende Punkt:
Die tatsächliche Einschränkung der Grasaufnahme schwankt EXTREM.

Studien und Fachartikel nennen Reduktionen zwischen ca. 30 % und 86 % – je nach Modell, Grasbedingungen und Pferd.
Warum diese riesigen Unterschiede?

Grashöhe & Weidezustand
Kurzes Gras ist schwerer aufzunehmen.
Auf langer, dichter Weide kommen manche Pferde trotz Fressbremse erstaunlich effizient ans Gras.

Geschick & Gewöhnung des Pferdes
Einige Pferde brauchen Tage, andere werden innerhalb weniger Stunden zu „Profis“.
Die Fressgeschwindigkeit steigt oft deutlich, sobald das Pferd gelernt hat, wie es den Korb optimal nutzt.

Modell & Technik
Großes Loch ≠ kleine Einschränkung.
Material, Form, Luftzirkulation, Abstand zum Maul und Flexibilität verändern massiv, wie gut Gras gezupft werden kann.

Management drumherum
Passt die Fressbremse nicht richtig an die Tränke, trinken manche Pferde zu wenig.
Sitzt sie schlecht, entstehen Druckstellen.
Ist sie zu engmaschig, steigt Frust und Stress.

Am Ende ist die wichtigste Frage nicht:
„Fressbremse ja oder nein?“
Sondern:
Welches Pferd, welches Modell, welche Weide, welche Kontrolle und welches Management?
Denn zwischen „nimmt kaum noch Gras auf“ und „frisst fast normal“ liegen in der Praxis Welten.

Gesamtzucker vs. Fruktan im HeuDie Unterscheidung zwischen Gesamtzucker und Fruktan ist mehr als nur Labordetail – sie i...
11/05/2026

Gesamtzucker vs. Fruktan im Heu

Die Unterscheidung zwischen Gesamtzucker und Fruktan ist mehr als nur Labordetail – sie ist zentral für das Verständnis unterschiedlicher Hufrehe-Mechanismen.

Endokrine Hufrehe (EMS / Insulindysregulation)
Peer-reviewte Studien zeigen klar:
Der wichtigste Risikofaktor ist eine erhöhte Insulinantwort auf Nicht-Strukturkohlenhydrate (NSC).
Dazu zählen Mono-/Disaccharide + Stärke – also der klassische „Gesamtzucker“-Anteil (ohne Fruktan).

Fruktane spielen hier eine untergeordnete direkte Rolle, da sie nicht im Dünndarm resorbiert werden und somit keinen starken Insulinanstieg auslösen.
Konsequenz: Für EMS-Pferde ist es besonders sinnvoll, Gesamtzucker (ohne Fruktan) getrennt zu betrachten.

„Fruktanrehe“
Der Begriff „Fruktanrehe“ stammt aus experimentellen Modellen:
Hohe Fruktanmengen gelangen in den Dickdarm
→ mikrobielle Fehlfermentation
→ pH-Abfall, Endotoxinfreisetzung
→ Entzündungsprozesse in der Huflederhaut

Wichtig: Diese Effekte wurden in Studien meist mit extrem hohen Fruktandosen induziert – deutlich über dem, was Pferde auf der Weide oder im Heu typischerweise aufnehmen.

Trotzdem: Bei plötzlicher Aufnahme großer Mengen (z. B. stark fruktanreiches Gras) kann Fruktan indirekt ein Risiko darstellen.

Was bedeutet das für die Praxis?
Addieren (Gesamtzucker + Fruktan)
• sinnvoll für eine konservative Risikobewertung
• besonders bei unklarer Stoffwechsellage oder sensiblen Pferden

Getrennt bewerten
• essenziell bei EMS / endokriner Rehe
• Fokus auf insulinwirksame Fraktionen (Zucker + Stärke)

Nicht vergessen: Trockensubstanz!
Alle Werte basieren meist auf TS (Trockensubstanz) – das ist wissenschaftlich korrekt, aber:
Pferde fressen „as fed“

Für die Praxis entscheidend:
• Risikoabschätzung → TS-Basis
• tatsächliche Zuckeraufnahme → Frischsubstanz berücksichtigen

Fazit
• Endokrine Rehe = Insulinproblem → Gesamtzucker entscheidend
• Fruktan/Vergiftungsrehe = Darmfermentation → Fruktan relevant, aber praxisfern dosiert
• Beste Strategie: Differenziert schauen statt pauschal addieren

11/05/2026

Pferd im Industriegebiet im Kreisverkehr - Verkehrssicherheit durchgespielt würde ich sagen 😁

Weidegang für stoffwechselempfindliche PferdeViele Besitzer von Pferden mit EMS oder Hufrehe wünschen sich (weiterhin) W...
08/05/2026

Weidegang für stoffwechselempfindliche Pferde

Viele Besitzer von Pferden mit EMS oder Hufrehe wünschen sich (weiterhin) Weidegang für ihr Tier. Manchmal lässt auch das Stallmanagement nicht zu, einzelne Pferde vollständig ohne zu halten.

In manchen Situationen ist das aber leider ein dauerhafter und nicht zu unterschätzender Risikofaktor, ich möchte euch heute die Gründe und auch die Maßnahmen zur Rationierung der Grasaufnahme und deren Grenzen vorstellen.

1. Unkalkulierbare Zucker- und Fruktanschwankungen
Der Gehalt an nicht-strukturellen Kohlenhydraten (NSC) im Gras variiert massiv – je nach Tageszeit, Temperatur, Jahreszeit und Pflanzenstress.
Schon kleine Mengen können – abhängig vom Zeitpunkt – hohe Zuckerlasten liefern.

2. Metabolisch vorbelastete Pferde reagieren überproportional
Pferde mit Insulindysregulation entwickeln beim Grasen deutlich stärkere Insulinantworten als gesunde Tiere.
Genau diese Hyperinsulinämie gilt als zentraler Trigger für Hufrehe.

3. „Nur wenig Weide“ ist kein sicherer Schutz
Das Risiko hängt nicht nur von der Dauer, sondern von der aufgenommenen Zuckermenge ab.
Kurzzeitiger Zugang zu hochbelastetem Gras kann metabolisch relevanter sein als längerer Zugang zu „magerem“ Futter.

4. Spätes Anweiden oder hohes Gras = keine Garantie
Auch reiferes oder „spätes“ Gras kann relevante NSC-Gehalte enthalten – abhängig von Wetter, Photosynthese und Wachstum.
Ein „Sicheres Zeitfenster“ existiert nicht zuverlässig.

5. Fressbremsen sind keine Lösung auf Stoffwechselebene
Sie reduzieren ggf. die Aufnahme – aber:
nicht konstant (starke individuelle Unterschiede).
Oft kommt es zu kompensatorischem Fressverhalten.
Keine Kontrolle über die tatsächliche Zuckeraufnahme.

6. Zeitliche Reduktion führt häufig zu schlingen
Viele Pferde kompensieren kurze Weidezeiten durch eine deutlich schnellere Futteraufnahme und „Binge-Eating“, d. h. sie machen keine oder deutlich weniger Fresspausen.
Viele Pferde fressen bei kurzer Graszeit das 2-3fache der normalerweise je Stunde Weidegang aufgenommen Futtermenge.

Fazit:
Weidegang bei Risikopferden ist kein „Managementdetail“, sondern ein potentiell entscheidender Krankheitsfaktor.
Er bleibt – selbst bei scheinbar kontrollierten Bedingungen – biologisch schwer kalkulierbar.

Sowohl die genauen Inhaltstoffe des Grases, als auch die tatsächlich aufgenommene Grasmenge sind nur sehr schwer bis unmöglich genau bestimmbar und unterliegen starken Schwankungen.

Insbesondere bei deutlich übergewichtigen und/oder rehegefährdeten Pferden, ist kein Weidegang daher der einzig wirklich sichere Weg.

Adresse

Cham
93413

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