21/05/2026
Vor fünfzig Jahren konnte jedes Kind auf dem Land Klatschmohn von Kornblume unterscheiden, Margerite von Kamille, Kornrade vom Weizen. Diese Pflanzen waren kein Unkraut — sie wuchsen an jedem Feldrand, jedem Obstgarten, jeder Wiese. Heute sieht man in ganzen Landstrichen keine einzige mehr.
Sie haben sich nicht verlagert. Sie wurden entfernt — Halm für Halm, Feld für Feld.
Vier gemeinsame Ursachen ihres Rückgangs:
Herbizide — selektive Herbizide vernichten die Samen der Begleitpflanzen in Getreidekulturen.
Versiegelung — Verschwinden von Brachen, Hecken und Randstreifen, die ihre letzten Rückzugsorte waren.
Mahd zur Blütezeit — Straßenrandmahd im Mai und Juni, genau zur Hauptblütezeit.
Intensivlandwirtschaft — Ackerrotation ohne Pause für die natürliche Reproduktion.
Zwölf Wildpflanzen, die unsere Großeltern beim Namen kannten — und die in den Garten zurückkommen können:
Klatschmohn (Papaver rhoeas) — im Oktober in eine unbearbeitete Ecke aussäen.
Kornblume (Centaurea cyanus) — in Wildblumenmischungen auf magerem Boden. Die Kornblume ist Deutschlands Nationalblume — einst auf jedem Getreidefeld, heute selten.
Kornrade (Agrostemma githago) — einjählige Ackerbegleitpflanze im starken Rückgang, auf der Roten Liste.
Sommer-Adonisröschen (Adonis aestivalis) — scharlachrote Blüte der Getreidefelder, in Deutschland stark gefährdet.
Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris) — Magerwiesen und ungemähte Wegränder.
Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) — heimische Orchidee, streng geschützt nach §44 BNatSchG — Wegränder im Mai und Juni nicht mähen.
Acker-Stiefmütterchen (Viola arvensis) — Ackerbegleitpflanze, verschwindet mit Herbizidbehandlungen.
Schmalblättriges Weidenröschen (Epilobium angustifolium) — große rosarote Flammen auf Kahlschlägen und Brachflächen.
Esparsette (Onobrychis viciifolia) — Schmetterlingsblütler der kalkhaltigen Hangwiesen, hervorragende Bienenpflanze.
Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea) — Magerwiesen und Wegränder — erst nach dem 20. Juli mähen.
Besenginster (Cytisus scoparius) — sonnige Hänge und Heideflächen, sehr bienenreich.
Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare) — erst nach dem 20. Juli mähen.
Jede dieser Pflanzen kann in den Garten, auf den Böschungsstreifen oder den Wegrand zurückkehren — wenn man ihr vierzig Quadratzentimeter und eine Saison ohne Eingriff gibt.
Der kurz gemähte Rasen ernährt nichts. 🌸