22/08/2026
Auch DAS ist Tierquälerei
Wenn man Leute fragt, was denn Tierquälerei in der Pferdehaltung ist, dann kommen da so die Standardsachen. Rollkur, Boxenknast, Schläge, Doping, Vernachlässigung. Das ist so ein gemeinsamer Konsens, an dem es eigentlich nicht viel zu rütteln gibt. Denn das sind auch Sachen, die Laien verstehen und grob erkennen können. Entsprechend fallen diese Sachen auch eher auf, als die, die ebenfalls Tierquälerei sind - aber eben die anderen Leute gar nicht so zu Gesicht bekommen. Und die sind genauso schlimm wie die oben genannten Sachen. Aber selbst Reiter ignorieren sie manchmal oder bemerken sie nicht. Das finde ich schon krass. Stumpfen sie ab? Oder bemerken sie nicht, was sich unter ihrer Nase abspielt? Ich bastle euch gleich mal ein paar fiktive Beispiele. Und ihr werdet alle sagen: Ja, das ist Tierquälerei. Nur bemerkt die kaum jemand. Und warum? Weil diese Sachen mittlerweile so alltäglich geworden sind, dass die einfach gar nicht mehr wahrgenommen werden. Dabei sind sie genauso Tierquälerei, wie Rollkur.
Uschi hat zum Beispiel ein Pferd. (Sorry, Uschis, ihr müsst heute mit eurem Namen herhalten). Uschi hat leider nicht so viel Ahnung, aber bei der Rettungsseite: Samtnasen zu Vermitteln hat sie sich in Pony Pummel verliebt und deswegen hat sie Pony Pummel, nachdem sie ihren Mann bekniet hat, den doch zu retten. Die Kohle war knapp, Pony Pummel sieht weder den Tierarzt noch den Hufschmied, bräuchte beides aber dringend. Weil Pony Pummel aber geliebt wird, wird diese Tierquälerei einfach ignoriert. Anderes Beispiel? Karls kleine Reitschule, Pferd Pepper lahmt schon seit drei Jahren, denn Pepper ist was älter. Hat der Tierarzt draufgeschaut (als er vorbei gegangen ist), der Pepper muss sich nur einlaufen. Außerdem kaut er sein Futter nicht mehr richtig. Zahnarzt? Braucht der Pepper nicht, die anderen Pferde brauchen auch keinen, warum dann der Pepper. Währenddessen lernen Kinder auf Pepper reiten. Pepper ist ein nettes Pferd. Auch wenn er Schmerzen hat.
Und da ist noch die Bettina, die hat ihr Pferd schon jahrelang und das hat immer denselben Sattel. Hat schließlich immer gepasst, hat sie schon mit dem Sattel übernommen. Bettina fällt zwar mit dem Sattel immer nach vorn und das Pferd hat schon weiße Stellen am Widerrist, aber die Bettina kann reiten. Außerdem verbittet sie sich die Einmischung von denen, die noch Grün hinter den Ohren sind und ihrem Pferd Taktfehler vorwerfen. Nebendran wohnt der Udo, der Udo kommt alle dreihundert Jahre mal vorbei, wenn die Sonne schön scheint und dann wuchtet er seinen Prachtkörper auf seinen Tinker, der ansonsten nur rumsteht und geht mit dem drei Stunden in der Lüneburger Heide galoppieren. Anschließend kann sich der Tinker zwar nicht mehr richtig bewegen, aber das kriegt Udo ja nicht mit, weil er vor einer imaginären Frist von mindestens drei Monaten, eh nicht wieder in den Stall kommt. Der Tinker bekommt nie Heu oder irgendwas (weil das Geld kostet) und starrt traurig aus seiner Box, in der er halt wohnt, wenn er nicht auf die Weide geht. Aber bald kommt ja der Udo wieder. Wird super!
Es gibt ganz viele Beispiele im Kleinen, die Tierquälerei sind. Falsche Reitweisen, die komplett gegen jedwede Biomechanik gehen, spontane Selbstraspelei ohne Ahnung an Pferdehufen, aber auch Pferde, die zitternd irgendwo stehen, deren Besitzer der Meinung sind - die brauchten noch nie ne Decke, fang ich jetzt gar nicht erst mit an! Ignorierte Krankheiten, das mit Niveau eingeschmierte Ekzem, wo das Pferd sich zu Tode juckt - es gibt ganz viele Arten, mit Pferden schlecht umzugehen. Und mitnichten sind das nur die Fälle, wo dann ein abgemagertes Tier traurig auf einer Weide allein steht oder im Sport ein Pferd Blut am Maul hat. Die Sachen, die ich gerade beschreibe? Die begegnen einem in Ställen so häufig, dass man gar nicht weiß, was man eigentlich noch machen soll. Außer natürlich eins: Man soll es besser machen.
Foto: Sir Mampf.