17/07/2025
Wir geben Euch ein Up-Date zur Entscheidung, die beiden Asiatischen Löwenjungtiere einzuschläfern. Es gab zahlreiche Reaktionen darauf - Zuspruch und Kritik. Hier nennen wir Euch unsere Hintergründe dieser Entscheidung, die wir uns alles andere als leicht gemacht haben.
Vorweg:
Wir sind transparent und haben daher auch proaktiv über das Einschläfern berichtet.
Es ist für uns alle eine emotional belastende Entscheidung gewesen, für die Tierpflegerinnen und -pfleger, den Kurator, die Tierärztinnen und den Zoodirektor. Wir haben alles versucht und am Schluss hieß es für uns ganz klar alle unnötigen Schmerzen und Leiden zu vermeiden.
Warum war „Gina“ erneut tragend?
• Wir haben bei ihr nicht verhütet, da „Gina“ genetisch sehr wichtig ist und wieder züchten soll. Die Gabe von Kontrazeptiva (Verhütungsmittel) kann bei Ihr zu Unfruchtbarkeit (und anderen mögliche Gesundheitsschäden) führen.
• Dass Junge geboren werden, wenn noch Junge aus dem vorherigen Wurf bei der Mutter sind, kann es bei Löwen auch in der Wildnis geben. Der Unterschied ist allerdings, dass es dann kein humanes Einschläfern der nicht angenommenen Jungtiere gegeben hätte.
• Übrigens liegt die Sterblichkeit bei jungenLöwen in der Wildnis zwischen 50-80 %.
Macht Zucht bei Asiatischen Löwen überhaupt Sinn?
• Ja, durch Zooarbeit sind wieder stabile Bestände entstanden, man kann eine Art nicht einfach aufgeben, das ist nicht unser Anspruch. Wir züchten auch nicht für Publikumsinteresse, sondern für international koordinierte Artenschutzarbeit, die wissenschaftlich kontrolliert wird. Dies macht man auch bei kleinen Ausgangspopulation Sinn. Es gibt erfolgreiche Beispiele dafür – so z.B. bei Wisenten, Przewalskipferden, Rosataube oder Mauritiusfalke.
Hätte man Katze und Kater nicht trennen können, um Fortpflanzung zu verhindern?
• Nein, nicht dauerhaft, da Löwen im Rudel leben. Der Kater ist wichtig für die Erziehung der älteren Jungtiere und das Sozialgefüge.
Schlussendlich war es die Entscheidung des Individuums „Gina“ diesen Wurf nicht anzunehmen!
Warum erfolgte keine Handaufzucht?
• Zoos haben den Anspruch, Tiere so natürlich und verhaltensgerecht wie möglich zu halten/aufzuziehen. Eine Handaufzucht kann zu Fehlprägungen führen. Es ist aber wichtig, dass die gehaltenen Asiatischen Löwen des Erhaltungszuchtprogramms wie ein „normale“ Löwen verhalten. Fehlgeprägte Tiere sind später in keine Löwengruppe zu integriert und werden sehr wahrscheinlich auch nicht züchten. Daher gibt es eine klare Vorgabe des Erhaltungszuchtprogramms für Asiatische Löwen keine Handaufzucht vorzunehmen.
• Wir selbst hatten vor unserem Kater „Navin“ einen anderen Löwenmann, „Tejas“, der handaufgezogen war und nie mit „Gina“ gezüchtet hat.
Warum habt Ihr die Jungtiere nicht an andere Zoos gegeben?
• Die Tiere sind ohne biologische Mutter nicht überlebensfähig, ein Ammenprinzip hier nicht möglich. Auch andere Zoos praktizieren keine Handaufzucht bei dieser Art.
Zum Zoo und zur Katzenhaltung/Haltung Asiatische Löwen:
• Der Kölner Zoo ist eine wissenschaftlich geführte Einrichtung. Wir arbeiten mit ausgebildetem Personal in der Tierpflege und Tierwohl steht bei uns an erster Stelle – daher waren wir 2024 auch der erste Zoo in Deutschland, der von der Tierschutzorganisation Global Humane eine Tierwohl-Akkreditierung erhalten hat. Er sit zudem seit 2024 auch der erste Zoo, der mit der Weltnaturschutzunion ein eigenes Artenschutzzentrum aufgebaut hat und unterhält.
• Es gibt sehr gute Bestände von Groß- und Kleinkatzen in Zoologischen Gärten in der Welt. Sehr viele davon werden in entsprechenden Erhaltungszuchtprogrammen gemanagt, so auch Asiatische Löwen im Kölner Zoo.
• Der zuständige Kurator Dr. Alex Sliwa ist Vorsitzender aller Katzenzuchtprogramme des Europäischen Zooverbands (EAZA) und Mitglied der Artkommission Asiatischer Löwe. Er ist ein Katzenspezialist, der gerade das Land NRW in Sachen Luchsauswilderung berät wie auch zu anderen Wiederansiedlungsprogramme seit Jahrzehnten berät.
• Der Kölner Zoo kooperiert mit dem WWF und hat über das „Team Tiger Köln“, insgesamt rd. 500.000 € für diese bedrohte Tierart gesammelt. Der Kölner Zoo ist darüber hinaus auch für weitere Katzenprojekte tätig, so u.a. für die Erforschung und den Erhalt der Schwarzfußkatze.
• Die Population der letzten Asiatischen Löwen ist erfreulicherweise sowohl in der Wildnis auf 600-1.000 Tiere wie auch im Erhaltungszuchtprogramm in europäischen Zoos langsam auf rd. 140 Tiere (16 Gründertiere) gestiegen.
• Derzeit halten wir folgende Asiatische Löwen: „Gina“, 11 Jahre; „Navin“ 9 Jahre; Nachwuchs 2,1, geb. am 19. Jan. 2024 (18 Mon.)