29/05/2026
🔹Strafen im Alltag🔹
Anfang der Woche habe ich einen Text geschrieben, indem es darum geht, dass kein Lebewesen Verhalten zeigt, um dafür gestraft zu werden.
Die Reaktionen waren...gemischt.
Heute möchte ich zeigen, was für Strafen Hunde im Alltag eigentlich erleben und weshalb es deshalb noch "unsinniger" ist, absichtlich und bewusst über das Strafen zu arbeiten.
Also starten wir rein!
🔹Zurück zur Lerntheorie!
Es gibt lerntheoretisch zwei Arten von Strafen.
Bei beiden Arten ist das Ziel, dass ein Verhalten in Zukunft mit geringerer Wahrscheinlichkeit auftritt, weil der Hund lernt, dass das Verhalten eine unangenehme Konsequenz hat.
Bei der positiven Strafe wird ein unangenehmer Reiz hinzugefügt.
Hinter der positiven Strafe stecken Angst, Unsicherheit und im schlimmsten Fall auch Schmerz.
(Klassisches Beispiel: Hund anschreien, Hund blocken, Leinenruck, ...)
Bei der sogenannten negativen Strafe wird ein angenehmer Reiz entfernt.
Dabei entsteht Frust, was sich für das Lebewesen nicht gut anfühlt.
(Klassisches Beispiel: Spielzeug wegnehmen)
🔹Im gemeinsamen Miteinander
Im gemeinsamen Miteinander sollte so gut es geht auf den (bewussten) Einsatz von Strafe verzichtet werden.
Strafe kann - wie eben geschrieben - Frust, Unsicherheit, Angst, Schmerz, ... auslösen und in einem Zusammenleben ist das nicht beziehungsfördernd. Auch das Sicherheitsgefühl kann dadurch einfach stark beeinflusst werden.
Aber wir können Strafen im Alltag oft nicht verhindern.
🔹Strafen im Alltag
Wir können Strafen - logischerweise - nie vermeiden.
Das sind typische Strafen, die dem Hund im Alltag begegnen können:
→ Fremder Hund kommt zu nahe
→ Ein vorbeifahrendes Auto hupt
→ Man steigt versehentlich auf die Leine
→ Es wird zu laut gesprochen
→ Der Mensch erschrickt und schreit kurz auf
→ Jemand steigt dem Hund auf die Rute
→ Ein Kind zieht dem Hund am Ohr
→ Der Hund schnüffelt und ein Ast fällt runter
→ Person am E-Roller fährt knapp vorbei und man zieht den Hund auf die Seite
→ ...
🔹Folgen
Wir sehen also, dass sich im Alltag des Hundes schon viele Strafen "verstecken". Und je nach Hund, kann das mehr oder weniger Einfluss auf dessen Wohlbefinden haben.
Wenn wir aber nun als Bezugspersonen noch (bewusst) Strafe einsetzen, lösen wir im Hund, der womöglich durch den anstrengenden Alltag eh schon eher "erledigt" ist, mehr Angst, mehr Unsicherheit und mehr Frust aus.
Das hat wiederum Einfluss auf das gesamte Verhalten, das Wohlbefinden, die Gesundheit und es wird natürlich auch mit uns als Bezugspersonen verknüpft.
Dabei soll uns unser Hund doch vertrauen und sich bei uns sicher fühlen.
🔹Ethik
Und - man kann es nicht oft genug wiederholen - will ich wirklich, meinen Hund bewusst strafen, wenn es auch andere tolle Wege gibt, um ein Verhalten zu verändern?
Möchte ich riskieren, dass mein Hund Angst vor mir hat und sich nicht sicher fühlt?
Ich persönlich möchte es nicht.
🔹Fazit
Hunde erleben im Alltag einiges an Strafe - sei es positiv oder negativ.
Als Bezugspersonen noch bewusst mit Strafe zu arbeiten, kann im Hund noch mehr Unsicherheit, Frust und Angst auslösen UND zusätzlich dafür sorgen, dass die Bezugsperson nicht als sicher und vertrauensvoll wahrgenommen wird.
Deshalb sollte man darauf achten, dass im gemeinsamen Miteinander so gut es geht auf Strafen verzichtet wird!
🔹Und noch ein kleiner Zusatz
→ "So kann man keine Grenzen setzen!!!"
Doch.
Man kann auch Grenzen setzen, ohne den Hund zu erschrecken, zu ängstigen oder ihm Schmerzen zuzufügen.
Anstatt den Hund zu blocken, um ein Weitergehen zu verhindern, kann man ein einfaches "Stopp"-Signal aufbauen...da bleibt der Hund dann auch stehen.
→ "Aber ihr benutzt auch positive Strafe"
Ja - wenn wir uns in einer Notfallsituation befinden zb, wird positive Strafe manchmal eingesetzt. Dann, wenn zum Beispiel ein Moped Fahrer sehr knapp vorbei fährt, man sich vielleicht erschreckt und den Hund auf die Seite zieht.
→ "Der Geschirrgriff ist auch unangenehm!!"
Ja - auch das stimmt. Also einfach so ins Geschirr reingreifen, ist für die meisten Hunde nicht fein. Darum wird der Geschirrgriff langsam aufgebaut, man arbeitet in einem Tempo, wo der Hund im grünen Bereich ist und sorgt so dafür, dass der Hund durch das Ankündigen weiß, dass nun in das Geschirr gegriffen wird
→ "Mit rein positivem Hundetraining kommt man nicht weiter!!"
Kann ich nicht beurteilen. Ich trainiere nicht "rein positiv", weil das nicht geht.
Ich trainiere hauptsächlich über positive Verstärkung und negative Verstärkung - also da ist auch etwas "negatives" dabei.
Wer mehr DAZU wissen will, kann gerne meinen Beitrag zu dem Thema lesen
→ "Hunde setzen einander auch Grenzen!"
Harald...jedes Lebewesen setzt Grenzen. Die Frage ist nur: WIE.
Und ich als Mensch, möchte freundliche Grenzen setzen.
SO!!!
Danke an alle, die es so weit nach unten durchgehalten haben.
Schönes Wochenende ;D