28/11/2025
Persönlicher Raum – Klarheit statt Körperkontakt
Ziel der Übung:
Dein Pferd akzeptiert deinen persönlichen Raum, ohne zu drängeln oder dich zu überholen. Es reagiert auf deine Körpersprache, wenn du deinen Raum klärst – ruhig, klar, freundlich.
Warum ist das wichtig?
Pferde sind Herdentiere mit natürlicher Rangordnung – aber Respekt heißt nicht Angst, sondern bewusster Abstand. Ein Pferd, das ständig zu nah kommt, testet oft, ob du die Führung übernimmst. Wenn du das ignorierst, übernimmt es irgendwann die Verantwortung – und das ist für beide unklar.
Diese Übung hilft dir, klarer, ruhiger und eindeutiger mit deinem Raum umzugehen.
Voraussetzung:
• Das Pferd lässt sich am Seil führen.
• Es kennt bereits eine ruhige Führsituation.
So geht’s (Schritt für Schritt):
1. Stell dich locker hin, Pferd seitlich vor dir, Führseil locker.
2. Achte darauf, wie nah es dir kommt – und ob es dich schon „einrahmt“.
3. Wenn das Pferd zu nah ist (z. B. in deinem Schulterbereich), dann:
o Mach dich groß: Aufrichten, Schultern bewusst zurück.
o Schick die Schulter weg, z. B. mit einer Handbewegung, einer klaren Geste oder einem sanften Tippen mit dem Stick (falls nötig).
4. Sobald das Pferd den Abstand akzeptiert:
o Atme aus, entspann dich, senk die Energie.
5. Wiederhole das ruhig, wenn es wieder eindringt. Keine Wut, keine Strafe – einfach Klarheit.
Wichtige Punkte:
• Konsequenz ist netter als Nachsicht.
• Du brauchst keine Gewalt – nur eindeutige Körpersprache.
• Der Abstand ist nicht für Kontrolle – er ist für Verbindung mit Respekt.
Tommy sagt:
Pferde akzeptieren Abstand, wenn sie sich bei dir sicher fühlen.
Klarheit schafft Vertrauen. Wenn du sagst: „Hier endet mein Raum“ – dann kann das Pferd in Ruhe sein.
Wer ständig kuschelt, ohne Grenzen, verunsichert mehr, als er verbindet.
Typische Stolperfallen:
• Du weichst zurück, statt Raum zu behaupten.
• Du wirst hektisch, anstatt ruhig klar zu bleiben.
• Du wartest zu lange – und musst dann zu viel machen.
Deine Reflexion – Was hast du erlebt?
• Wann kam dein Pferd zu nah?
• Was war deine erste Reaktion?
• Wie schnell hat dein Pferd auf deine Körpersprache reagiert?
• Was möchtest du nächstes Mal anders machen?
Aufgabe 3: Aufmerksamkeit durch Körpersprache – „Schau bei mir rein“
Ziel der Übung:
Dein Pferd orientiert sich bewusst an dir – es achtet auf deinen Fokus, reagiert auf kleine Veränderungen in deinem Körper, nicht erst auf Seil oder Stimme.
Warum ist das wichtig?
Ein Pferd, das zwar körperlich bei dir ist, aber geistig woanders – bringt dir keine echte Verbindung. Dann kannst du alles „richtig“ machen, und trotzdem scheint’s, als wäre da eine Wand zwischen euch.
Aufmerksamkeit ist das Tor zur Verbindung.
Ohne sie kannst du nichts aufbauen. Mit ihr geht fast alles.
Diese Übung hilft dir, die Aufmerksamkeit deines Pferdes auf dich zu lenken – sanft, klar, ohne Druck.
Voraussetzung:
• Dein Pferd kennt dich, hat etwas Respekt vor deinem Raum.
• Du bist innerlich ruhig und klar.
So geht’s (Schritt für Schritt):
1. Stell dich in sicherem Abstand seitlich oder leicht schräg vor dein Pferd – so, dass du es sehen kannst, ohne zu fixieren.
2. Warte ab – schau nicht gleich in die Augen, sondern nimm eine offene, ruhige Haltung ein.
3. Wenn dein Pferd gedanklich „weg“ ist (Ohren außen, Kopf dreht sich weg, scharrt, schnorchelt...), dann:
o Verändere minimal deine Energie: Heb deinen Brustkorb, schiebe deine Aufmerksamkeit bewusst in seine Richtung.
o Tritt evtl. eine halbe Schrittbewegung zur Seite oder nach vorn.
o Sprich mit deiner Präsenz: „Hallo – ich bin da.“
4. Sobald das Pferd einen Hauch zu dir schaut (ein Ohr, ein Blinzeln, ein Augenwinkel) – entspann dich sofort:
o Energie runter.
o Vielleicht ausatmen, weicher werden.
o Zeig: „Danke, ich hab’s gemerkt.“
5. Wiederhole das, Übung macht die Verbindung.
Typische Stolperfallen:
• Du wirst zu laut – Körpersprache ist zu groß, wirkt bedrohlich.
• Du wartest passiv – statt die Aufmerksamkeit sanft einzufordern.
• Du „belohnst“ zu spät – das Pferd schaut schon, aber du bleibst im „Modus".
Ich sage:
Aufmerksamkeit ist wie ein Gespräch: Du sagst was – das Pferd schaut, du hörst auf zu reden.
So entsteht Dialog. Nicht durch Dauerdruck, sondern durch gutes Timing.
Jedes Ohr, jeder Blick – ist eine Einladung.
Deine Reflexion – Was hast du erlebt?
• Wie lange hat dein Pferd gebraucht, um dich wahrzunehmen?
• Welche Geste war für euch beide „gut lesbar“?
• Wann hat dein Pferd „ausgecheckt“ – und warum?
• Was willst du beim nächsten Mal anders machen?
Dies ist ein Kapitel von 37 aus meinem Buch:
Bodenarbeit im Sinne des Pferdes: 37 Aufgaben für dich und dein Pferd. Bodenarbeit für Anfänger und Fortgeschrittene
Dieses Buch ist ein ideales Weihnachtsgeschenk für Leute die was mit ihrem Pferd am Boden machen möchten.
Den Link zum Buch findet ihr in den Kommentaren